Te Ika-a-Maui

Neuseelands Nordinsel

14.01. – 02.02.2017

Die Überfahrt zurück auf die Nordinsel verläuft ruhig und bei wunderbarem Wetter haben wir eine tolle Sicht. Wir genießen die Mini-Kreuzfahrt und lassen uns den Wind um die Nasen wehen.

Am nächsten Tag „erlaufen“ wir Wellington, die Hauptstadt Neuseelands, mit seinen interessanten Museen, netten Straßenzügen und einigen coolen Cafés. Die Stadt ist übersichtlich und das Leben verläuft hier in gemächlichen Bahnen. Großstadthektik findet man hier nicht. Der inoffizielle Spitzname der Stadt, „Windy City“, beschreibt es ganz gut: die starken Westwinde der legendären Roaring Forties können mächtig durch das Städtchen pusten. Bei uns ist es ausnahmsweise windstill, die Sonne scheint, das Meer funkelt in der Sonne und die umgebenden Hügel strahlen in sattem Grün.

Nach so viel Stadt (haha) ziehen wir entlang der Ostküste Richtung Norden weiter. Inzwischen fegt ein heftiger Sturm über das Land, der Regen peitscht und der orkanartige, böige Wind zwingt uns dazu, in Schneckengeschwindigkeit durch die hügelige Landschaft zu schleichen. Später lesen wir, dass in Wellington des Windes wegen Flüge und Fähren gestrichen wurden, es gab Stromausfälle und ganze Häuser hat der Wind einfach weggepustet. „Windy City“ eben.

Je weiter wir nach Norden gelangen, umso besser wird das Wetter, der Wind legt sich, die Sonne scheint. Am Himmel ziehen die berühmten langen weißen Wolken vorüber; die Maori nennen das Land deshalb einfach Aotearoa, Land der langen weißen Wolken.

Die schroffe, oft unzugängliche Küste lädt geradezu dazu ein, auf kleinen Stichstraßen abgelegene Buchten und halbverlassen Ortschaften zu erkunden, doch meist ist eher der Weg das Ziel, die Ausblicke über das endlose Meer sind herrlich. Am Ende einer solchen Strasse liegt der südlichste Punkt der Nordinsel. Und klar, da müssen wir hin. Am Kap Palliser thront strahlend weiß, hoch auf einer Klippe ein Leuchtturm. Der Wind bläst mal wieder was das Zeug hält, trotzdem erklimmen wir über wackelige, 250 hölzerne Stufen die Klippe und genießen vom Leuchtturm aus eine sagenhaften Blick in die Unendlichkeit des Südpazifik – ok wir müssen aufpassen, dass es uns nicht einfach umweht, aber schön ist’s trotzdem.

Weiter geht’s zum östlichsten Punkt der Nordinsel, wieder am Ende einer tollen „Sackstrasse“; nur sind es diesmal gleich flotte 800 Stufen bis zum Aussichtspunkt samt Leuchtturm. Aber auch hier lohnt es sich, der Blick über grüne Landschaft und kürkises Wasser ist wirklich schön. Ansonsten ist die von Zivilisation, unendlichen Weideflächen, riesigen Gehegen für Rotwild (das Fleisch ist ein Exportschlager) und unbeschreiblich großen Plantagen für Nadelbäume (die Holzindustrie ist bedeutend hier) geprägte Nordinsel nicht reich an landschaftlichen Reizen, weshalb wir uns die wenigen Highlights als Etappenziele setzen.

So bummeln wir durch das Städtchen Napier mit seinen wunderschönen Art-Déco-Gebäuden, bestaunen hier und da schöne Maori-Schnitzereien und halten uns an den dampfenden, blubbernden und nach faulen Eiern stinkenden Thermalquellen von Rotorua die Nase zu. Die geothermischen Felder von Rotorua sind DAS Ziel aller Neuseelandreisenden und entsprechend voll. Wir suchen uns zwei kleinere, unbekanntere in den umliegenden Bergen gelegene Felder aus und – kaum zu glauben – sind fast alleine inmitten dieser farbenprächtigen Kunstwerke von Mutter Natur. Und wir nehmen eine langen Umweg in Kauf, um uns einen 305 Meter hohen Hügel anzuschauen, den Taumata­whakatangihanga­koauau­o­tamatea­turi­pukaka­piki­maunga­horo­nuku­pokai­whenua­ki­tana­tahu. Der Name ist kein Witz, sondern maori und die längste Bezeichnung für einen Ort auf der Welt: 85 Buchstaben und unaussprechlich.

Nur zwischenmenschlich knirscht es immer wieder zwischen uns und den Einheimischen im Gebälk. Dass die Menschen hier im Allgemeinen ruppig, grimmig und mürrisch sind, daran haben wir uns ja mittlerweile gewöhnt. Dass sie keine Umgangsformen haben, nicht grüßen und immer leicht aggressiv sind, auch damit haben wir uns inzwischen abgefunden. Auch ist das Reisen hier mit einem Laster nicht immer konfliktfrei. Auf vielen Straßen in Neuseeland gilt eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 km/h (für Wohnmobile 90 km/h). Auf den engen und kurvigen Straßen sind wir meist froh, mit knapp 60 km/h vorwärts zu kommen, entsprechend oft werden wir überholt und dabei fast jedes Mal wütend „behupt“, man zeigt uns „freundlich“ den Mittelfinger und regt sich wild gestikulierend über uns auf. Wahrscheinlich glaubt der Neuseeländer, die vorgegebene Geschwindigkeitsbegrenzung sei eher die Geschwindigkeit, die er fahren MUSS…

So langsam macht es uns hier keinen Spaß mehr, die Anfeindungen und die offensichtliche Abneigung gegen Touristen kosten uns viel Kraft. Neuseeland erlebt seit einigen Jahren einen wahren Touristen-Boom und machmal scheint es, als wäre es mit diesen Massen schlichtweg überfordert. Bei uns jedenfalls schwindet die Freude, in Neuseeland zu reisen von Tag zu Tag mehr.

Und als wir zu guter Letzt auch noch Zielscheibe einer wahren Hetzkampagne werden (hier geht’s zum Bericht), beschließen wir kurzerhand, Neuseeland früher als ursprünglich geplant den Rücken zu kehren. Aloisius steht inzwischen im Hafen und wird in Kürze aufs Schiff zurück nach Deutschland verladen; wir haben noch ein paar Tage in Auckland und sind dann auch auf dem Heimweg.

Wir sind traurig, dass diese ansonsten für uns so tolle Reise so unschön und abrupt endet. Wir sind aber auch froh, in wenigen Tagen dieses Land zu verlassen. Und wir freuen uns sehr auf das, was kommt. Denn: nach der Reise ist vor der Reise!

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