Coast to Hinterland

Australia light

10. – 27.09.2016

Queensland ist ein „seltsamer“ Bundesstaat: oben an „The Tip“ wild, unberührt, abenteuerlich und wahrscheinlich aus der Sichtweise europäischer Reisender „Australien pur“. Unterhalb und rechts davon zeigt sich uns Queensland als eine Art „Australien light“. Fast alle Strassen sind geteert, der dünne, dicht besiedelte und touristisch in allen Facetten erschlossenen Küstenstreifen bildet das Epizentrum. Aus allen Ecken schreit und brüllt es „fun“, „action“, „schneller“, „höher“, „weiter“.

Um ein Känguru zu sehen pilgern Heerscharen in „action packed“ Streichelzoos, über den Regenwald wurde eine klimatisierte Gondelbahn gebaut, das Great Barrier Riff, immerhin Weltnaturerbe und größter zusammenhängender lebender Organismus auf diesem Planeten, wird mit bis zu 600 PS starken Schnellbooten („feel the andrenaline“) angefahren und die so genannten Naturliebhaber ins Wasser gescheucht (man hat ja nur 35 Minuten für die Erkundung der einzigartigen Unterwasserwelt). Inzwischen von knapp 2 Millionen action-suchenden Touristen besucht, ist das Riff an den schnell erreichbaren Ecken fast tot-gepinkelt. Und da fragen sich alle, warum das Riff immer mehr abstirbt…. Im Städtchen Townsville besuchen wir das Great Barrier Reef Aquarium und anstatt auf die Einzigartigkeit und Fragilität, die seltenen Organismen oder gar die Verletzbarkeit des Riffes hinzuweisen, wird auf einer riesigen Schautafel plakativ dargestellt, wo und wie man am Riff den wirklichen Action erleben kann. Irgendwie seltsam.

Es gibt unendlich viele Nationalparks, teils winzig, nicht größer als ein Fussballfeld. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass es hier einst zu wenige Nationalparks gab und Politiker sich dadurch einen Namen machen wollten, einen neuen gegründet zu haben. Auf der anderen Seite aber wird der einzigartige Regenwald abgeholzt, um Platz zu machen für „retirement villages“, steingewordenen Paradiese für zahlungskräftige Senioren. Und all das, laut Werbung, eingerahmt von ursprünglicher Landschaft.

Das ist das eine Queensland, das andere suchen wir noch.

So lassen wir die Küste Küste sein, den Action Action und versuchen uns in „Australia’s most accessible Outback“ durchzuschlagen. Wir bummeln durch Ortschaften, in denen Cowboyhüte und abgewetzte Jeans noch fester Bestandteil der Identität sind, das Pub Zentrum des sozialen Lebens ist, man auf der Post noch warten muss, da sie hier noch eine wichtige Rolle spielt und die Damen in den Visitor Centern den Eindruck erwecken, auf Pferden zur Arbeit geritten zu sein. Doch auch hier ist alles irgendwie zivilisierter, geordneter, aber man spürt die Verankerung der Einheimischen mit ihrem Land, das sie über Jahrzehnte im Angesicht von Schweiß und Blut zu florierenden Rinderfarmen verwandelt haben. Das ist Steak-Country.

Und dann ist es wieder einmal wie verhext: große Teile des Landes klagen über Trockenheit und Dürre und das damit einhergehende Leid für Natur, Tiere, Landwirtschaft und ganze Existenzen. Doch hier, am Horizont der Strasse, muss es regnen, was der Himmel hergibt. Alle Strassen nach Birdsville sind wegen Überflutung gesperrt, teils steht das Wasser bis zu einem Meter hoch auf der Strasse. Kein Durchkommen. Schade!

Im Städtchen Longreach ist dann endgültig Schluss, alle Strassen westwärts sind zu. Es bleibt uns wenig anderes übrig, als an die Küste zurückzufahren. Wir suchen uns noch eine schöne Strecke aus: als Balsam für die Seele und Qual für die Stoßdämpfer gönnen wir uns noch eine tolle Schotterpiste. Es rumpelt, es schaukelt, überall Staub – für uns ist das Outback-Action. Ganz ohne all den Trubel und Wirbel der Tourismusindustrie. Ach, und Kängurus und Emus sehen wir auch. Frei, wild und streicheln können wir sie auch nicht.

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  1. Charly Schwabing 2 Jahren ago Reply

    Wir beobachten Euch und wundern uns über die Vielfalt und Unterschiedlichkeit menschlicher Daseinsformen. Es gibt nicht einen Weg zum Glück, es gibt viele! (naja, zum Unglück natürlich auch, aber da will keiner hin)
    Bleibt Euch treu, Ihr Glückssucher!

    • thehaeusgens 2 Jahren ago Reply

      Tja, der Weg, die Wege zum Glück…das ist so eine Sache. Uns geht es auf jeden Fall gut und wir hoffen auf jeden Fall nicht auf den Weg zum Unglück abzubiegen. Wir bleiben uns treu, dann sollte alles passen.

  2. birdfarm team 2 Jahren ago Reply

    Hallo, endlich klappt es wieder mit unserem i.net, is ja nett. Telstra hatts gehört, sagen wir im Münsterland!

    Aber irgendwie hattet ihr schon recht, auch wenn die Fotos mehr hergeben.
    Die Fahrt to „The TIP“ war ernüchternd, einzig und allein die Sichtung der von uns gesuchten Palm-Kakadus (ganze 12x) und die daraus resultierenden Fotos haben dann doch den gewünschten Erfolg und eine gewisse Genugtuung gebracht.
    Jetzt schaun wir mal und reisen auf Euren Spuren hinterher, vielleicht kriegen wir Euch ja doch noch ein.
    Herzlich grüssen Specki und Nobby

  3. Doris 2 Jahren ago Reply

    Dafür, dass Ihr von der Queensland Küste nicht so begeistert klingt, sind die Fotos für mich durchaus begeisterungswürdig (Palm Cove, Tribulation Beach…..). Ihr seid eben nicht mehr so leicht zu beeindrucken nach den vielen spektakulären Landschaften, die Ihr in den letzten Monaten durchfahren habt. Die Outback Garage gefällt mir, ebenso der Laden mit den Hüten und Jeans!

    • thehaeusgens 2 Jahren ago Reply

      Liebe Doris, tja, vielleicht hast Du Recht, dass wir ein wenig verwöhnt sind 😉 aber auch in Queensland gibt es ein paar schöne Fleckchen, die dann auch mal ein nettes Fotomotiv darstellen.

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