San Francisco

Mehr als nur eine Brücke!

11.09.2008 – 20.09.2008

USA: SAN FRANCISCO

 

„If you’re going to San Francisco,
be sure to wear some flowers in your hair.
If you come to San Francisco,
Summertime will be a love-in there.“
Scott McKenzie’s: San Francisco, 1967

Wir haben uns zwar keine Blumen in die Haare gesteckt (bei Jakob stellt sich auch die Frage, in welche), aber nach San Francisco sind wir trotzdem gekommen. Die Überquerung der Golden Gate Bridge war nicht ganz so nervenaufreibend wie die der Brooklyn Bridge in New York, aber dennoch. Unser „Milchlaster“ (glauben viele, dass er das sei, die Farbe läge das nahe) ist breit und die Brücke recht eng, ganz zu schweigen von den Windböen in fast 70 m Höhe über dem Wasser.

Die Brücke über das Goldene Tor – ein Meisterwerk der Baukunst

„Es brauchte zwei Jahrzehnte und 2000 Millionen Worte, die Leute vom Nutzen der Brücke zu überzeugen, aber nur vier Jahre und 35 Millionen Dollar, sie zu bauen.“ sagte Joseph B. Strauss, Chefingenieur der Golden Gate Bridge. Mitten in der Großen Depression gelang es den Verantwortlichen, diese damals sagenhafte Summe für den Bau der Brücke zusammen zu bekommen. Bei der Planung der Brücke ging man davon aus, dass pro investierter Million ein Bauarbeiter ums Leben komme (dieser Logik folgend, hätten beim Umbau des Reichstages in Berlin 300 Arbeiter ihr Leben verlieren müssen). Um Todesfälle zu verhindern, spannte man unter der Brücke ein Sicherheitsnetz, in das die Arbeiter getrost plumpsen konnten. 19 Arbeiter nahmen das Angebot an. Diese Gruppe der Überlebenden wurden als “Half-Way-to-Hell-Club” bekannt. Einer fiel jedoch daneben. „Full-Way-to-Hell“ könnte man sagen. Weitere 12 sollten folgen! Diese 12 fielen zwar in das Netz, aber zusammen mit einem Gerüst war das Netz dem Gewicht dann doch nicht gewachsen, riss und alle 12 Arbeiter versanken samt Gerüst im 120 m tiefen und eiskalten Wasser. Trotz dieser beiden Unglücke „unterbot“ man die Prognose von 35 Toten um stolze 22.

Bis zur Eröffnung der Verrazano-Narrows-Brücke in New York City im Jahr 1964 war die Golden Gate Bridge die längste Hängebrücke der Welt, und auch heute gibt es nur sieben, die länger sind. Trotzdem sind die Ausmaße gigantisch: die Distanz zwischen den beiden „international orange“ gestrichenen Stützpfeilern beträgt 1.280 m, die Gesamtlänge 2.737 m, die höchste lichte Höhe 67 m. Die beiden riesigen Kabel haben je einen Durchmesser von fast 1 m und pro Stützpfeiler (je 227 m hoch) wurden 600.000 Nieten verbraucht. Die letzte Niete sollte aus Gold sein. Da Gold aber ein sehr weiches Material ist, erhitzte sich die Niete beim Hineinhämmern, löste sich und versank auf Nimmerwiedersehen in den Fluten. Also musste eine normale Niete herhalten. Und irgendwo im Meer unter der Brücke liegt ein nicht ganz unbeträchtlicher „Goldschatz“ in Form einer Niete.

Besonderer Beliebtheit erfreut sich die Brücke auch bei enttäuschten Liebenden. In großer Zahl (die genaue Anzahl wird nicht veröffentlicht, aber man geht von gut 1.300 seit der Eröffnung am 27. Mai 1937 aus) stürzen sich diese die knapp 70 m in die Tiefe. Bei dieser Höhe erreicht der menschliche Körper mit einer Geschwindigkeit von 120 km/h nach 4 Sekunden die Wasseroberfläche. Ein Ferrari Enzo ist auch nur marginal schneller (0-100 km/h: 3,7 Sek.). Bei unserem Laster haben wir in 4 Sekunden gerade mal den ersten Gang drinnen. 26 Menschen haben den Sturz sogar überlebt. Seit Jahren wird über ein Sicherheitsgitter nachgedacht und gestritten. Das jetzige Geländer ist gerade mal 140 cm hoch. Nur würde das neue, sichere Geländer fast $30 Millionen kosten, und das stehe in keinem Verhältnis. Findige Sarkasten in der Stadtregierung haben ausgerechnet, dass somit jeder (bisherige) Selbstmörder die Stadt $ 23.000 kosten würde. Und das nur, dass er dann irgendwo anders runter hüpft. Also würde sich das „sündhaft“ teure Geländer nicht rentieren und auch noch den Blick verderben (aus ästhetischer Sicht ist das irgendwie schlüssig).

San Francisco, 42 Hügel und Giovanni Battista Bernardone

Was haben Giovanni Battista Bernardone und San Francisco miteinender zu tun? Man könnte glauben, nicht viel. Vielleicht hat Giovanni eine nette Trattoria in Little Italy? Einen gut funktionierenden Mafia-Clan? Bella Italia Import und Export? Alles weit gefehlt. Giovanni Battista Bernardone ist der Namenspatron der Stadt. Besser bekannt sein dürfte Giovanni unter dem Namen Franz von Assisi.

Die Stadt ist zu unserer eigenen Überraschung nicht besonders groß und mit knapp 800.000 Einwohnern auch nicht gerade eine Megalopolis. Nur verteilen sich diese 800.000 Menschen auf 42 Bergen. Man kann sagen, was man will, und auch wenn die Amerikaner immer alles gerne größer reden als es in Wirklichkeit ist: es sind keine Berge, sondern Hügel. Auch wenn jeder Hügel mit mehr als 30 m Höhe hier als Berg klassifiziert ist. Jedoch: steil sind diese Hügel. Und wie! Bei der Fahrt in die Stadt wiederholen wir das leidige Fahrschulthema Anfahren am Berg hier in der Königsdisziplin. Mit unseren gut 10 Tonnen Gewicht ist das nicht immer einfach, aber wenigstens quietschen bei uns beim Anfahren nicht ständig die Reifen. An jeder Ampel am Berg gibt es immer mindestens einen Verkehrsteilnehmer auf automobiler Basis, der wahrscheinlich aus Unvermögen die Reifen zum Rauchen bringt und eine tief schwarze Spur als Souvenir zurücklässt. Sämtliche Besucher zucken dabei regelmäßig vor Schreck zusammen und sind froh, dass nichts passiert ist, weil quietschende Reifen an mitteleuropäischen Ampeln doch meist ein gutes Indiz für einen kurz bevorstehenden Unfall sind.

Wie in so vielen besuchten Städten machen wir auch hier zuerst die inzwischen obligatorische Stadtrundfahrt mit einem ausrangierten Londoner Doubledecker. Und sind reichlich enttäuscht. Was wir nicht bedacht haben, ist, dass die alten, klapprigen und sogar in London inzwischen ausrangierten, hier zum zweiten Leben (eher ein schleichender Tod) erweckten Busse einfach diese Hügel (Berge) nicht packen und an den Kanten wahrscheinlich auch hängen bleiben würden. Somit verläuft die Tour durch eher nicht so spannende Gegenden.

Mit brennenden Waden ins rettende Cable Car

Der beste Weg, die Stadt zu erkunden, ist also zu Fuß. Also, die bequemen Turnschuhe angeschnallt, mit Stadtplan und Fotoapparat bewaffnet geht es los. Bergauf und bergab. Langsam sind wir uns nicht mehr ganz so sicher mit der Definition eines Hügels. Die Filbert Street hat eine sagenhafte Steigung von 31,5%. Ohne Kurven, einfach gerade nach oben! Das geht in die Beine. Man muss sich das mal auf einem Geodreieck vorstellen…oder auch lieber nicht. Natürlich ist nicht jeder Hügel – als Alpenbewohner fällt es uns einfach schwer, diese Hügel Berge zu nennen – ganz so steil. Aber es muss sein. Erst nach einiger Zeit und mit inzwischen brennenden Waden hüpfen wir das erste Mal auf ein Cable Car. Aus wie vielen Filmen kennt man nicht diese rumpelnden, wackelnden und in der Zeit von Formel 1 und Chinesen im Weltall archaisch anmutenden Gefährte? Sie wirken wie ein bisschen Gestern im Heute. Und machen Riesenspaß. Wir wollen gar nicht mehr aussteigen und fahren so viele Routen wie nur irgend möglich. Immer gesteckt voll, der Fahrer schwitzend an den Bremshebeln, der Schaffner (irgendwer muss ja die $5/Fahrt kassieren) freundlich und zugleich die Massen verfluchend, zuckeln die Cable Cars mit steten 9,2 Meilen/Stunde die Hügel hinauf.

Die Funktionsweise der Cable Cars ist denkbar einfach. Ähnlich einer Gondel wird der Wagen von einem im ständigen Kreislauf befindlichen Drahtseil gezogen. Will man fahren, schließt sich eine Art Kralle um das laufende Seil, und der Wagen nimmt Fahrt auf. Zum Bremsen löst man diese Kralle und steigt zeitgleich auf die Bremse. All das klingt recht einfach, aber man sollte nicht vergessen, dass Cable Cars 15 Jahre vor Bertha Benz’ geschichtsträchtiger Fahrt (1888) im ersten Automobil ihren Betrieb aufnahmen.

Seit 1873 also leisten die Cable Cars einen wertvollen Beitrag zur Schonung erschöpfter Beine und schmerzender Füße. Damals nahmen Andrew Smith Hallidie und William Eppelsheimer das erste Cabel Car in Betrieb. Zu Beginn hatten die an Pferdekutschen gewohnten Bewohner derartig Angst vor dieser neuartigen Art des Transportes, dass Hallidie und Eppelsheimer beschlossen, die ersten Tage jede Fahrt umsonst anzubieten. Für $0 wagten sich viele in diese „Ungetüme“ und ein paar Tage später waren alle Bedenken ausgelöscht und der Aufstieg des Cable Cars zum modernen Transportmittel in San Francisco war nicht mehr zu stoppen.

Doch hat San Francisco natürlich noch viel, sehr viel mehr zu bieten, als die Golden Gate Bridge, Hügel und Cable Cars.

Die Tölpelinsel oder auch die Insel für Tölpel?

1775 segelte der Spanier Juan Manuel de Ayala in die Bucht von San Francisco und gab den Inseln, die er dort vorfand, ihren Namen. Der Name Alcatraz leitet sich von dem Wort „Isla de los Alcatraces“ („Tölpel-Insel“) ab.
Alcatraz, malerisch in der Bucht gelegen, wird jedes Jahr von Millionen von Touristen überrannt, die sich einmal wie Al Capone im Knast fühlen wollen. Die Schiffe zu „The Rock“ legen alle 30 Minuten ab, womit ein ständiger Nachschub an Sightseern gesichert ist. Egal zu welcher Tageszeit man sich anstellt, immer ist es voll. Nichtsdestotrotz ist es ein besonderes Erlebnis. Allein schon die knapp 15-minütige Bootstour ist sehr schön, öffnen sich doch herrliche Blicke auf die Stadt und die Golden Gate.

Einmal angekommen, wird man von einem freundlichen Mitarbeiter auf die aufs Äußerte reduzierte Anzahl von Toiletten hingewiesen. Und das ist auch gut so. Hier muss die Pipipause strategisch geplant werden. Für 1.500.000 Besucher pro Jahr stehen je Geschlecht vier Häuschen zur Verfügung. Zwei am Eingang, die anderen beiden am anderen Ende der Insel. Einfach nicht daran denken.

Die Besichtigung des Gefängnisses ist einfach: am Eingang erhält man einen wirklich herausragend guten Audioguide, und los geht es. Wie an so vielen Orten hat man auch hier oft ein Déjà-vu. Aus unzähligen Klassikern kennt man die Orte. Auch hier ist es nicht anders, aber im Gegensatz zum Film ist auch hier die Realität durch nichts zu ersetzen. Die Zellen sind so winzig (1,52 m × 2,74 m groß, mit Waschbecken, Toilette und Bett), da werden wir uns bewusst, wie riesig unser Laster eigentlich ist. Den Gefangenen war es nicht erlaubt miteinander zu reden, und wollte man ein Buch lesen, dann musste man sich dieses Privileg erst einmal durch gute Führung „verdienen“. Ebenso Sport und Arbeit. Aufsässige, Freche und Gewalttätige wurden auf unbestimmte Zeit ins „Loch“ geschickt. Das Loch ist ein absolut dunkler Raum. Kein Licht. Nichts. Völlige Langeweile und Trostlosigkeit. Manche Gefangenen mussten mehrere Monate in diesen Löchern bleiben. Al Capone, fünf Jahre Gast auf Alcatraz, sagte nach seiner Entlassung:„Nichts hat mich bisher geschafft, aber Alcatraz hat mich gebrochen“.

In den 29 Jahren, die das Gefängnis betrieben wurde, gab es lediglich 14 Fluchtversuche. Alle, so glaubt man, endeten tragisch. Sicher ist dies bei sechs Personen; sie wurden von den Wachen erschossen. Von den anderen acht nimmt man an, dass sie im eiskalten Wasser ertrunken sind; die Leichen wurden aber nie gefunden. Eine Gruppe von drei Insassen schaffte eine wirklich spektakuläre Flucht. Über ein in die Zellenwand gebrochenes Loch ging es auf das Dach und von dort über zahlreiche Mauern an den Strand. Mit einem selbst gebastelten Schlauchboot machten sie sich auf den Weg. Die Flucht wurde erst 9 Stunden später beim täglichen Morgenappell bemerkt. Von dem Schlauchboot fand man Teile, von den Flüchtigen nicht die geringste Spur. Das FBI hat die drei für tot erklärt, aber der Mythos, die drei könnten sich nach Mexiko abgesetzt haben, hält sich. Diese Geschichte diente später als Vorlage für den Film „Die Flucht von Alcatraz“ mit Clint Eastwood.

Wie „Bullit“ durch die „Straßen von San Francisco“

119 Folgen lang jagten Detective Lt. Mike Stone (Karl Malden) und Inspektor Steve Keller (Michael Douglas) Bösewichte und andere Croutons (es ist nicht das Brökerl in Suppe oder Salat gemeint) der Gesellschaft durch die „Straßen von San Francisco“. Doch um einiges cooler war Lt. Frank Bullitt gespielt von Steve McQueen im gleichnamigen Film „Bullitt“. Bemerkenswert an diesem Film ist, dass er ausnahmslos an Originalschauplätzen gedreht wurde. Was den Film jedoch zum Klassiker und bei den Fans unsterblich gemacht hat, ist die fast 11-minütige Verfolgungsjagd eine der längsten und spektakulärsten der Filmgeschichte, zwischen einem 1968er Ford Mustang 390 CID Fastback und einem 1968er Dodge Charger R/T 440 Magnum. Das waren noch Männer. Und das waren noch Autos (das war ja auch vor der Ölkrise 1974). Und man konnte noch guten Gewissens Autos fahren, die allein beim Anlassen so viel Sprit verbrauchen wie heutzutage ein Smart zwischen München und Garmisch-Partenkirchen. Die Presse umjubelte damals die Verfolgungsjagd. Der National Observer schrieb ” Whatever you have heard about the auto chase scene in BULLITT is probably true…a terrifying, deafening shocker.” Und das Life-Magazine stellte fest, “… a crime flick with a taste of genius…an action sequence that must be compared to the best in film history.”

Es gibt sie immer noch, diese Kleinigkeiten, an denen man merkt, dass Amerika ein Land der Autofahrer ist. Vielerorts in Europa werden inzwischen „Walking Tours“, „Bike Tours“ oder die Möglichkeit, auf geführten Rollschuhtouren (Marseille oder Berlin) die Stadt zu erkunden angeboten. Hier macht man das mit dem Auto. San Francisco bietet einen 49 Meilen langen Scenic Drive durch die Stadt an. Einschließlich Wohngebiete und Parks. Das müsste man sich mal in München vorstellen. Wahrscheinlich würde man schon bei der bloßen Formulierung einer solchen Idee von Politik und Gesellschaft „gesteinigt“ werden.

In diesem Sinne (und besonders in dem von Steve McQueen) leihen wir uns einen Ford Mustang. Leider gibt es in San Francisco keine Oldtimer zu leihen, so müssen wir mit einem 2008er Ford Mustang Cabrio Vorlieb nehmen. Und dieser ist auch nicht dunkelgrün (Bullitt) sondern schwarz. Macht nichts. Also, Dach auf und die Straßen rauf und runter. Dreimal fahren wir insgesamt die berühmte Lombard Street – weil’s so schön ist. Der Wettergott ist uns günstig gestimmt, die Sonne scheint, es ist herrlich und macht irre viel Spaß. Abgesehen vom Spaß haben wir nun ein adäquates Fortbewegungsmittel, um auch die entferntesten Winkel der Stadt zu erkunden: Das De-Young-Museum, den Golden Gate Park, die Golden Gate Bridge (auch mit dem Mustang muss natürlich einmal drüber gefahren werden), Twin Peaks und vieles mehr.

Im De-Young-Museum stolpern wir einmal mehr über den Glaskünstler Dale Chihuly: „Chihuly at the de Young“ (inzwischen vorbei). Das erste Mal haben sich Chihuly’s und unsere Wege ganz am Anfang der Reise im Fairchild Botanical Garden in Coral Gabels gekreutzt. Chihuly Teil II haben wir dann in Portland gesehen und nun eben hier. Die Ausstellung in San Francisco scheint die bisher größte und einzige Chihuly gewidmete zu sein und sie ist sagenhaft.

Glückskeksfabrik, Fog City Diner und Levi’s

In fast jedem chinesischen Restaurant in Deutschland bekommt man nach dem Essen einen Glückskeks, einen Fortune Cookie. Auch wenn wir jetzt einen Mythos zerstören, es muss gesagt werden, die Geschichte muss richtig gestellt werden: Der Glückskeks kommt NICHT aus China! Unglaublich, aber wahr. Die Ursprünge des Glückskekses sind nicht mehr ganz nachzuvollziehen. Sicher ist, dass es Anfang des 19. Jh. im japanischen Kyoto eine Art Glückskeks gab. Erwiesen scheint aber auch, dass der Glückskeks, wie wir ihn heute kennen und lieben, aus San Francisco kommt. Makoto Hagiwara hat ihn in seiner heutigen Form „erfunden“, auch wenn zahlreiche andere Firmen und deren Nachkommen Gegenteiliges behaupten. Das wirklich Komische an der Sache ist, dass der Glückskeks erst 1993 seinen Weg nach China gefunden hat und zwar als “Genuine American Fortune Cookie”. So viel zur Geschichte des Glückskeks.

In San Francisco gibt es noch heute eine Glückskeks-Manufaktur, da die industrielle Herstellung zwar möglich, aber sehr schwierig zu sein scheint. Also haben wir uns aufgemacht, die Golden Gate Fortune Cookie Factory in Chinatown zu besuchen. Das ist dann ein langer Raum, voll mit chinesischen Tempelchen, Lämpchen und unleserlichen Postern an der Wand. In der Mitte stehen zwei altertümliche Maschinen zur Herstellung der Kekse. An jeder sitzt je eine Chinesin, nimmt den Teig (rundes Plättchen, halbgetrocknet) heraus, zieht aus einem Beutel das Zettelchen mit dem „Horoskop“, legt ihn auf den Teig und formt darauf kunstvoll und rasend schnell die fertigen Kekse. Schwups, geschafft, in die Tüten verpackt und fertig zum Verkauf. Auch wir haben eine Tüte gekauft; ein Beispiel: „Wisdom will come, sooner or later“. Aha! Hoffentlich kommt sie überhaupt, und wenn, bitte so früh wie möglich.

Das Fog City Diner, eine Institution in 1300 Battery Street, ist nicht nur für Touristen ein „Muss“. Auch zahlreiche Einheimische, prominent oder auch nicht, kommen gerne hierher. Es ist ein wirklich typisch amerikanisches Diner, das Essen lecker, die Kellner charmant unhöflich. An jedem Tisch sind kleine Messingplättchen: entweder saß hier jemand berühmtes, es ist der Platz eines Stammgastes oder es war der erste Kunde am Tag der Eröffnung. Auch einige Filme wurden dort gedreht, unter anderem „So I Married an Axe Murderer“ mit Mike Myers (sein erster Film nach „Wayne’s World“). Auf jeden Fall ist es einen Besuch wert.

Schräg gegenüber ist dann an der Levi’s Plaza der Firmensitz von Levi’s. Beim Anblick des eher trostlos wirkenden Gebäudes kommt man schon ins Grübeln, ob dies wirklich der Firmensitz einer modernen, coolen und trendigen Modemarke ist. Oder ist es vielleicht doch eher Sitz einer Firma, spezialisiert auf die Herstellung von so etwas Langweiligem wie Fingerhüten (diese kleinen Becher zum über-den-Finger-stülpen beim Nähen)? Irgendwie ist es schon komisch, hat man doch immer die Vorstellung, dass alle, die bei Levis arbeiten, lässig sind, ihre Jeans im Kühlschrank lagern, Sixpackbäuche haben und eine James-Dean-Aura ausstrahlen. Jetzt kommen da ganz normale Typen raus. Das können ja nur die Buchhalter sein. Oder vielleicht doch nicht?

Aber wir sind ja auch unterwegs, um „ die Vorstellungen mit der Wirklichkeit auszugleichen.“ In diesem Fall war die Vorstellung irgendwie besser als die Realität. Schnell gehen wir weiter und laufen die wunderbare (und steile) Filbert Street hinauf. Diese Straße ist gesäumt von herrlichen Büschen und Blumen, und wir tauchen ein in Meer aus Farben. Wir überlegen uns, eine Blume in die Haare zu stecken, lassen es dann aber…

 

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