In the focus

A shitstorm is coming

02.02.2017

Wir sind nie wirklich warm geworden mit Neuseeland, aber endgültig das Fass zum Überlaufen brachte ein Shitstrom, der ebenso überraschend wir gewaltig über uns hereinbrach. So etwas haben wir noch nicht erlebt. Am Ende werden wir es bis in die lokalen Median geschafft haben. Hier die Geschichte:

Wie viele andere Tage muss auch heute das verbrauchte Wasser (Grauwasser) irgendwie wieder aus dem Laster raus. Da an unserem Stellplatz ein Wasseranschluss mit Gulli ist, leeren wir das Grauwasser in eben diesen Gulli. Gefühlte Hundert Mal haben wir das bereits getan, mehrfach wurden wir von den Campingplatzbetreibern sogar darauf hingewiesen, das Grauwasser dort entleeren zu können. Nach dem Entleeren des Tanks bringen wir noch den Müll weg, sperren ab, lassen uns Zeit und rollen irgendwann gemütlich vom Platz.

Am Abend dann die erste böse Überraschung. Über welch verschlungenen Wege auch immer, man hat uns über unsere Homepage kontaktiert, beschwert sich, beschimpft uns und die Lawine kommt ins Rollen.

This mail was sent by Keith. Content: In future please drop your human waste into signed dumb sites not down the drain as you did at Kennedy park Napier this morning. Totally disgusting & unacceptable. I’m sure you would not do this in your own country!

Etwas drastischer und angriffslustiger war dann schon die zweite Email des Tages:

This mail was sent by Karen Bryant. Content: My family & I were camped next to you last night at Kennedy Park Napier. We wanted to express to you the utterly disgraceful act of dumping your waste into the drain under the taps. Was it too much effort to drive your ostentatious truck to the Dump Station 60 mtrs. away ? My husband was about to approach you when you departed. I have posted photos of your truck publicly on camping sites and hopefully someone will explain what dump stations are for so you stop dumping your shit in our beautiful waterways! We can only hope this was a one off act & you haven’t been doing this throughout countries you have visited. Hopefully by naming & shaming will make you wake up to yourself!

„Naming and shaming“, das erinnert ein bisschen an vergangene Tage. Auch muss der Ehemann schon recht fußlahm sein, waren wir ja mindestens noch 10 Minuten am Platz und Zeit zum Fotografieren war ja auch….

Die dritte Email der Tages brachte es dann auf den Punkt, was uns die nächsten Tage blühen sollte:

This mail was sent by Rod Berry. Content: Just so you are aware. You were seen during the past 24 hours dumping your grey water down a storm water drain. This is disgusting and not permitted in New Zealand. Grey water i.e. Shower water, dishwashing water is to be dumped in an authorized dump station. Same applies to black (toilet) water – goes in a dump station. Your movements in NZ are now being watched by hundreds of other nomads.

Ja, wir wurden dann tatsächlich von Hunderten von Neuseeländern beobachtet, fotografiert und sogar der Blog wurde eifrig aufgerufen; in der Spitzenzeit hatten wir auf einmal fast 200 Blog-Besucher pro Tag – nur aus Neuseeland.

Haben wir denn etwas falsch gemacht? Und wenn ja, warum hat man uns nicht direkt vor Ort darauf angesprochen oder hingewiesen? Wir überschlafen das Ganze in der Hoffnung, dass sich die Sache bald wieder beruhigt. Am nächsten Tag erhalten wir weitere Emails, von weiteren „Beobachtern“ und Leuten, die das Ganze auf Facebook (wo die Dame, die alles ausgelöst hat, alles gleich mal gepostet hat), mitverfolgen und natürlich auch ihren Senf dazugeben wollen.

Für uns ist es an der Zeit, zu reagieren. Wir entschuldigen uns schriftlich bei der Dame und den beiden Herren, die zuerst geschrieben hatten und wohl unsere Campingnachbarn waren. Die „Hexenjagd“ geht weiter, die Emails lassen nicht nach und werden immer unverschämter:

This mail was sent by Paora Brooking. Content: There are reports that you dumped your human waste down a drain pipe not suitable for human waste at the last camp you left. Do not travel around our area if you plan to do the same… It’s dirty people like you who give other traveller’s a bad reputation.. Do you do that where you come from? Apparently you drove off before anyone could talk to you…carry on home!

Keine Sorgen, wir fahren schon bald! Und es geht weiter:

This mail was sent by Stephen. Content: Stop dumping your shit and piss down storm water drains. We kiwi are tidy. If we catch you doing it again we will drown you in your own poos like you drown the wildlife. You animals.

This mail was sent by New Zealand. Content: We will get u. How dare you dump shit in our water.

Wir melden uns nun auch bei dem Manager des Campingplatzes, bei dem wir das Abwasser entsprechend entsorgten. Der jedoch sieht überhaupt kein Problem in der Sache, und meint, das es „usually not allowed“ sei, das Grauwasser dort abzulassen, aber so schlimm sei das alles aus seiner Sicht nicht. Er weist uns jedoch darauf hin, dass bereits das Council (die Gemeinde) involviert sei, da der Abfluss des Gullis in das Abwassersystem der Gemeinde fließe und man dort, bei der Gemeinde, bereits von jener Dame (Karen Bryant) über den Vorfall informiert worden sei. Wir melden uns also unverzüglich beim Council, entschuldigen uns für unser angebliches Fehlverhalten, erklären unsere Situation und warum wir der Überzeugung waren, dort ablassen zu dürfen und was wir tun könnten, um die aufgebrachten Gemüter wieder zu beruhigen.

Wichtig zum Verständnis ist, dass der Gulli in den wir das Grauwasser abgelassen haben, aussah wie ein normaler Abwassergulli: ein in Beton gefasstes Rohr mit Gitter darauf. Dass es in Neuseeland Unterschiede zwischen einem Abwassergulli und einem Regenwassergulli (storm water drain) gibt, war uns nicht bewusst, der Unterschied nicht ersichtlich. Wasser, das in Regenwassergullis fließt, fließt ohne jegliche Reinigung und/oder Filterung in Flüsse, Seen oder das Meer. Interessant zu wissen ist, dass alle Gullis auf Strassen so genannte storm water drains sind und das Wasser also direkt in die Natur zurück fließt; wenn man jetzt mal bedenkt, was in einer mittelgroßen Stadt so alles auf der Strasse liegt und bei Regen in die storm water drains fließt, dann ist es ökologisch ein Desaster zu wissen, dass das alles unbehandelt zurück in die natürlichen Wasserläufe geschickt wird …

Inzwischen wissen wir, dass manche dieser Gullis auf den Campingplätzen an die Kanalisation angeschlossen sind, manche aber eben nicht. Worin man nun den Unterschied erkennt? Wir wissen es bis heute nicht.

Der Herr vom Council (Abteilung Recht und Ordnung) reagiert besonnen und ist bemüht, die Sache möglichst schnell vom Tisch zu bekommen. Wir erfahren, dass der Vorwurf, wir hätten dort Fäkalien abgelassen, weiterhin bestehe, weswegen der Abwasserkanal mit seinem verbleibendem Inhalt bereits untersucht worden sei, wobei man feststellen musste, dass definitiv KEINE Fäkalien von uns abgelassen wurden. Immerhin etwas. Nichts desto trotz, die Anzeige jener Dame gegen uns besteht weiterhin.

Nachdem wir dem Mitarbeiter des Council die Emails vorlesen, die wir so bekommen, rät er uns, dringend und schnellstmöglich die Polizei aufzusuchen – es sei nicht das erste Mal, dass hier Ökoaktivisten durchdrehen. Die Polizistin, die zugegebenermaßen sehr um unser Wohl bemüht ist, rät von einer Anzeige unsererseits ab, wir seien zu kurz im Land, bis diesbezüglich etwas passieren würde. Und Spinner würden halt spinnen … naja, das hilft uns wenig.

Wir fühlen uns unwohl, unsicher und unter ständiger Beobachtung. Wo immer wir sind, überall kommen Einheimische zu uns, vermeiden es tunlichst, uns anzusprechen, machen Fotos, flüstern und zeigen mit Fingern auf uns. Abends werden wir von den Campingplatz-Managern der verschiedenen Campingplätze auf den Vorfall angesprochen und „geprüft“, ob wir bleiben dürfen. Wir erfahren, mehrere Leute seien mit Fotos zum Manager gegangen, hätten ihn darauf hingewiesen, dass wir hier seien und dass wir Böses angestellt hätten. Was für ein armseliges Denunziantentum, die Neuseeländer!

Immerhin wurde die Sache inzwischen auf Facebook gelöscht und die Emailflut lässt nach. Am Ende des Tages bezahlen wir eine Strafe in Höhe von $200, die Dame zieht ihre Anzeige zurück und es kehrt Ruhe ein. Zu guter Letzt sieht sogar die Presse ein, dass hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen wurde…

 

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  1. Ted 1 Jahr ago Reply

    GOODDAY SIR,
    I am a NZer and have read your stuff about dumping grey water….etc.
    The background to this is the number of tourists….particularly backpackers in cars who shit all over the countryside….it has now become a major problem AND NZERS ARE SICK OF IT.
    The problem is partly created by the NZ GOVT…who are more concerned with profit rather than the well-being of the environment…many waterways have become degraded by pollution from high intensity dairy farming…..essentially what we have in NZ is an American style govt totally devoted to profit….which is not surprising since like America,the Jews have taken over the country.

    New Zealanders are now particularly hostile to anyone polluting the environment not just Swiss campers in absurdly expensive trucks which are rarely used for the conditions they were designed for…..Wealthy Swiss Poseurs in other words.
    I get the impression you are at least partially responsible for these events and your protestations of innocence don’t ring true.
    Even rich tourists try to save pathetically small amounts of money by dumping shit in the environment….because they are mean spirited and arrogant.
    Thousands of tourists visit NZ every year…most go away with the impression most NZers are friendly compared to Europe….therefore I think you are mostly responsible for the bad events that took place.
    New Zealanders patience with tourists is wearing thin….after repeated bad behaviour by tourists.

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