Last exit Sydney

Bye, bye Australia

14.11. – 01.12.2016

Immer war es eine unsichtbare Linie am Horizont, in Gedanken weit, weit weg, aber nun ist es wirklich soweit, Australien ist „erfahren“.  Wir sind am Ende dieser Etappe angekommen. Nach erlebnisreichen 316 Tagen, 51.625,1 oft holprigen und staubigen Kilometern, 13.831,5 verbrauchten Litern Diesel, 2.120 vorbei hoppelnden Kängurus, 1.258 hektisch rennenden Emus, 10 lautlos schleichenden Schlangen, 34 sonnenbadenden Echsen, 25 getippten Blogeinträgen, 2 Mal Steckenbleiben und einem pfeifenden Platten heißt es für uns leise Servus sagen. Goodbye und Adieu Australien!

Heute geht es nach Neuseeland. Etappe 2, die bergige.

Aber eines nach dem anderen. Vom südlichsten Punkt Festlandaustraliens geht es immer der Strasse nach gen Nordosten. Große Abenteuer warten keine mehr, wir machen noch ein paar Stops entlang der tollen, schroffen Küste, schauen den Wellen beim Schlagen an die Felsen zu, erkunden kleine Städtchen und sind eigentlich schon bald im zivilisatorischen Speckgürtel Sydneys. So langsam sind auch die letzten „Outback-Notfall-Dosen“ aufgegessen, die letzten Nudeln verputzt, die Wasservorräte ausgetrunken, der Kühlschrank wird immer leerer und Essen nur noch „à la minute“ eingekauft. Es lebt sich  im guten Aloisius ein bisschen wie vor einem Umzug: nur kein Ballast mehr ranschaffen.

Zwei Tage früher wie geplant rollen wir bei strahlendem Sonnenschein in Kiama, rund 120 Kilometer südlich von Sydney, auf einen schönen Campingplatz. Direkt an einer kleinen Bucht gelegen, das Meer fast vor den Reifen. Hier werden wir uns nun eine Woche niederlassen und alles für die anstehende Verschiffung nach Neuseeland vorbereiten.

Jeder der uns kennt, weiß es: wir haben es gerne sauber und ordentlich (ja ja, manche nennen es Putzfimmel), aber was jetzt vor uns liegt, stellt alles bisher geputzte in den Schatten: Aloisius nach so vielen Kilometern, mit so viel Sand, mit so viel Schlamm, mit so viel Dreck ist eine echte Herausforderung. Nicht, dass wir ihn unterwegs nie gewaschen hätten, klar doch, aber jetzt muss er nicht nur sauber, sondern rein sein.

Ganze fünf Tage wischen, waschen, schrubben und polieren wir wie die Besessenen. Unten, oben, seitlich, hinten, innen – keine Ecke zu klein, kein Winkel zu eng. Alleine 10 Stunden kriechen wir mit Eimerchen und Lappen bewaffnet unter Aloisius rum, wischen den Dreck von den Achsen, schrubben den Auspuff mit Stahlschwamm, popeln Erdklumpen aus Löchern und Ecken, von deren Existenz wir nicht mal wussten. Einen Lastwagen von unten zu putzen und abzustauben ist wahrlich eine Scheißarbeit. Jetzt muss die „mobile Wohneinheit“ aber nicht nur von unten glänzen, nein, auch das Dach will geschrubbt, die Außenwände gewaschen und die Scheiben auf Hochglanz gebracht werden. Mit den Fingernägeln kratzen wir über Monate eingetrocknete Mücken und allerlei Kleinfliegetier aus dem Kühler, von den Stoßstangen, von den Lampen und wo sie sonst noch überall festpappen.

Innen ist es eigentlich schön sauber, aber wir nutzen die Gelegenheit und den (inzwischen etwas eingeschränkten) Eifer und nehmen alle Schubläden aus den Schienen, wischen, schrubben und saugen auch noch den letzten Krümel aus den allerletzten Ecken. Oft finden sich ja bei solchen Aktionen Münzen, verloren geglaubte Kleinstgegenstände oder was auch immer – wir finden leider nichts.

Nach fünf Tagen, unzähligen Rollen Küchenpapier, einer leeren Flasche Scheuermilch, zwei leeren Flaschen Glasrein und vom vielen Putzmittel aufgeweichten Fingern ist es soweit: da steht er, Aloisius, geputzt, gewienert, er strahlt wie frisch aus dem Ei gepellt. Als letztes i-Tüpfelchen sprühen wir die Reifen ringsum mit „Tyre-Shine“ ein. Ja, sowas von cool: sprühen, wirken lassen,wischen und die Pneus strahlen wie frisch aus dem Werk. Jetzt bloss kein Wind, der lästigen Staub an dieses Meisterwerk an Putzkunst pustet…

Blitzeblank und strahlend bringen wir Aloisius auf’s Behutsamste in den Hafen. Der Papierkram ist schnell und unkompliziert erledigt, Aloisius bekommt seinen Boarding-Pass und wartet nun neben Baggern, Kränen und allerlei motorisierten Riesengefährten auf seine Einschiffung.

Während Aloisius gemütlich über’s Meer schippert, genießen wir ein paar Tage in Sydney. Mein Gott, was haben wir uns darauf gefreut, gehört Sydney für uns doch zu einer der schönsten Städte überhaupt. Von unserem Hotelzimmer im 34. Stock blicken wir auf eine große, endlose, nachts bunt glitzernde Stadt. Nach so vielen Monaten im Outback, in der endlosen Einsamkeit ist es ein komisches Gefühl, alles so eng, so laut, so nah. Doch schnell haben wir uns daran gewöhnt und genießen den Trubel einer echten, kosmopolitischen Großstadt  – und können uns wieder und wieder und wieder nicht satt sehen: an dem weiß-glänzenden Dach der futuristischen Oper, an der majestätischen Harbour Bridge, an den gigantischen Blick vom Observatory Hill, dem riesigen Sydney Harbour von Bord der Manly-Fähre aus…. es ist und bleibt einfach eine so wahnsinnig schöne, coole, aufregende und lässige Stadt!

Die Tage vergehen natürlich viel zu schnell und schon stehen wir mit viel zu viel Gepäck vorm Check-In von Emirates am Flughafen. Was wir jetzt erleben werden kann man ohne Weiteres nervenaufreibend nennen.

Nicht nur, dass Emirates einen von uns beiden erst nicht mitnehmen will, da sich in dem Visum für Neuseeland ein Fehler eingeschlichen hat. Nach 55% Batterieleistung, über 45 Minuten in der Warteschleife von New Zealand Immigration und der überaus forschen Aussage der unfreundlichen Dame am anderen Ende der Leitung, dass das zwar nun „not good“ sei, aber machen könne man da jetzt auch nichts. Um das „Problem“ zu lösen muss erst für unverschämt viel Geld ein nutzloser, nicht rückerstattbarer Weiterflug gekauft werden.

Und jetzt muss auch noch das Gepäck umgepackt werden. Auf’s Gramm genau. Dummerweise genau die „Technik-Kiste“; haben wir uns doch extra für die viele Technik (Drohne, Foto, Navigation etc) eine unkaputtbare Zarges-Box gekauft. Alles Jammern und charmant Lächeln bringt nichts, die Dame am Schalter ist eiskalt und stur. Genervt wickeln wir also hochsensible Technik-Geräte in Hemden, Pullis und Unterhosen ein und hoffen, dass schon nichts passieren wird.

Neben uns Schließen langsam alle Check-Ins, nur wir hocken noch am Boden und packen um. Auf den letzten Drücker schaffen wir es und halten schließlich glücklich zwei Boarding Pässe in der Hand. Jetzt bleiben noch 7 Minuten bis Boarding und wir haben noch zwei Sicherheitsschleusen, eine Passkontrolle und 60 Gates, an denen wir vorbeijoggen werden müssen vor uns.

Schweißgebadet und aus dem letzten Loch pustend sitzen wir endlich im Flieger. Für Abschied war wahrlich keine Zeit. Wir winken Sydney und Australien von oben aus dem Flugzeugfenster noch einmal zu – und schon sind wir über dem Meer, auf dem Weg ans Ende der Welt, nach Neuseeland.

Bye, bye Australien.

Wir werden Dich vermissen!

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  1. birdfarm team 2 Jahren ago Reply

    hi ihr beiden haeusgens, nettes last statement.
    habe heut morgen gesehen, dass ihr in christchurch angekommen seid.
    als kleine anregung, auch wenn wir keine museumsgänger sind, aber das Canterbury Museum darf man nicht verpassen, dann eine runde durch den botanischen garten und mit der historischen bahn weiter zum cafe in die city, perfekt!

    wir sind jetzt in Queenstown und fahren dann die westcoast route.

    happy traveling

    • thehaeusgens 2 Jahren ago Reply

      Moin Moin ihr beiden, sind ja jetzt schon wieder weiter, aber haben alle euere lieben Tips beherzigt – ok mit der Bahn sind wir nicht gefahren, aber den Rest. Euch jetzt noch viel Spaß im Westen von NZ, viele Grüße Team Haeusgen

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