The Savannah Way

West to East up North

04. – 21.08.2016

Mal wieder überqueren wir die Stadtgrenze von Alice Springs – diesmal wahrscheinlich, vielleicht das letzte Mal auf dieser Reise. Alice Springs, eine tolle Stadt im roten Herzen dieses riesigen Kontinents mit wilden, coolen Typen, abgebrühten Aussteigern und echten Freaks. Goodbye Alice! Wir werden dich vermissen!

Aber Reisen ist eben nicht Bleiben, nicht Ankommen. Sondern weiter, immer weiter, der Nase nach, der Strasse folgend, den Horizont immer im Fokus und den Sehnsüchten nach neuen „Entdeckungen“ hinterher.

Und eine dieser unserer Sehnsüchte ist der Savannah Way, der „Australia’s Adventure Drive“ sein soll. Aber was ist der Savannah Way eigentlich? Auf jeden Fall ist es nicht NUR eine Strasse oder Piste, sondern eher der Verlauf entlang verschiedener Strecken. Er verbindet Broome im Norden Western Australiens mit Cairns im tropischen Norden Queenslands. 3.700 Kilometer sind es insgesamt. Bereits seit Broome folgen wir mehr oder weniger mit einigen Abstechern und Umwegen dem Savannah Way. Nach unserem „kleinen“, rund. 1.800 km kurzen Abstecher nach Alice treffen wir im kleinen Örtchen Mataranka wieder auf ihn. Theoretisch. Denn für uns heißt es erst einmal, den Kompass auf Norden zu setzen und zu folgen. Nach Darwin und in den riesigen, weitläufigen Kakadu Nationalpark, der als UNESCO-Weltnatur und -kulturerbe mit großartiger Landschaft, einem ausgedehnten Feuchtgebiet und einzigartigen Felsmalereien aufwarten kann.

Schon 2011 hat uns der „Kakadu“ in seinen Bann gezogen. Seinerzeit, am Ende der Regenzeit, war alles grün, frisch und in voller Blütenpracht. Das viele Wasser der Regenzeit hatte sich zurückgezogen und die Flussläufe konnten das Wasser gerade so wieder fassen. Heute, 2016, am Ende einer extremen Trockenzeit, warten Landschaft, Tier und Mensch sehnsüchtig auf den Regen und uns bietet sich ein vollkommen anderes Bild. Die meisten Billabongs sind ausgetrocknet, die großen Flussläufe führen deutlich weniger Wasser, die Natur ist trocken und in großen Teilen schwarz. Schwarz? Noch heute, wie auch schon vor 20.000 Jahren, werden gegen Ende der Trockenzeit große Landstriche absichtlich angezündet. Diese „intended burnings“ dienen der Regenerierung und Erneuerung der Natur und sind enorm wichtig für Flora und Fauna. Das Gras ist gerade noch so grün, aber eben schon so braun, dass es bei „sanften“ 40° – 50°C abbrennt. So genannte „cold fires“ haben nicht die zerstörerische Kraft eines normalen Waldbrandes, Bäume werden lediglich leicht angekokelt, Tiere überleben in ihren Höhlen oder auf Bäumen. Die Vegetation bekommt die Chance, sich zu regenerieren, Samen werden freigesetzt, frisches Gras kann wachsen (eine wichtige Nahrungsquelle in diesem trocknen Land), und der öde Boden erhält wichtige Nährstoffe.

Auf einer lehrreichen, von einem sehr gesprächigen und an Anekdoten reichen Aborigine geführten Bootstour durch die „Yellow Waters“, (die Feuchtgebiete des „Kakadu“) lernen und erleben wir viel. Welche Pflanzen man wie essen kann, welche Blätter welche Krankheiten heilen und woran man hier im Sumpf alles sterben könnte: fräsen einen die Krokodile nicht, würde man nicht von einer giftigen Schlange zu Tode gebissen, nicht von wilden Wasserbüffeln zertrampelt werden so würde man letztendlich wohl verdursten, da das Wasser salzig ist und es kaum Frischwasserquellen gibt. Hoffen wir mal, dass der Kahn nicht sinkt und wir abends wieder gemütlich in Aloisius sitzend ein Gläschen Wein trinken.

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Nach ein wenig Stadtluft in Darwin geht es zurück nach Mataranka, zurück auf den Savannah Way. Und was jetzt an Strecke bis Normannen vor uns liegt, sollte unsere Erwartungen bei Weitem übertreffen. 1.700 Kilometer Schotterpiste, Savannenlandschaft, wildes Hinterland, Flußdurchfahrten, Staub, Hitze, Sonne, Einsamkeit, wild-romantische Stellplätze unter Vollmond und bei Lagerfeuer, heulende Dingos, schreiende Vögel, kreischende Fledermäuse, im Gras verschwindende Kängurus – diese Strecke hat uns wirklich begeistert und hat es definitiv in die Top 3 der besten Outbackstrecken überhaupt geschafft!

Aloisius brummt wohlig-munter vor sich hin, wir genießen die Einsamkeit und beobachten, je weiter wir nach Osten gelangen, eine langsame, aber stetige Veränderung in der Landschaft. Dem ausgetrockneten und verbrannten Grasland folgen dichte Eukalyptuswälder, die rote, verbrannte Erde wird langsam saftiger, grüner, frischer, lebendiger und die Flussläufe scheinen mit jeden Hundert Kilometern, die wir vorankommen, mehr Wasser zu führen. Diese Flussläufe sind die Lebensader der Savanne. Um sie herum wächst und gedeiht es üppig, Krokodile baden sich, Vögel versammeln sich zum abendlichen Gesangskonzert und unzählige Rinder sagenhaft großer Herden sammeln sich an Wasserlöchern und schlabbern das wenige Wasser genussvoll in sich hinein.

Waren die „Outbackrinder“ noch eher dem harschen Leben angepasste, ausgemergelt wirkende Tiere, so kann man neben der immer grüner werdenden Landschaft auch an den immer runder und praller werdenden Kuhbäuchen erahnen, welch tropisches Paradies mit Wasser, fast schon im Überfluss, vor uns liegen mag. Wir nennen es den Kuh-Index: je dicker die Kuh, desto fruchtbarer die Landschaft. Auf riesigen grünen Weiden fressen sich ganze Rindergroßfamilien, testosterongeschwängerte Bullen, winzige Kälbchen und viele, viele Kühe satt. Das ist Kuhleben-Paradies pur.

Der Schnitt zwischen trockenem Savannenland und dem Kuh-Paradies ist schlagartig. Die Berge, bis über 1.600 Meter hoch, markieren die Grenze zwischen der trockenen Savanne und dem tropischen Regenwald. Es ist unglaublich: wir fahren um die Kurve und plötzlich ist alles Grün. Hügelig. Bergig.

Wir sind da. In den Tropen Queenslands, der Hochebene rund um Atherton, in den so genannten Tablelands. Und fast am Ende des Savannah Ways. In den Bäumen tummeln sich unzählige in allen Farben des Regenbogens schimmernde Vögel, deren Gesang weithin durch das dichte Grün zu hören ist, meterhohe Farne und Palmen gedeihen satt, Lianen hängen von den Bäumen, kleine Bäche sprudeln frisch vor sich hin – nach soviel Staub, Trockenheit und sandigen Horizonten ist dies eine Wohltat für unsere Augen.

Und es regnet. Meist nicht lang, aber dafür heftig. Aber was will man in Regenwald schon auch anderes erwarten….

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  1. birdfarm team 2 Jahren ago Reply

    schöne Fotos, bald könnt Ihr auch als birdwatcher durchgehen, was der Mensch so alles lernt
    grüsse, — all bird pictures please 1x for me — Nobby

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