Hello Darling!

Von Flüssen, Seen und Opalen

29.03 – 10.04.2016

Eigentlich könnten wir jetzt wieder heim fahren. Wir hätten jetzt Australien gesehen – heißt es. Stadt, Outback, Felder – das sei Australien, sinngemäß, ginge es nach dem australischen Dichter Henry Lawson, der 1925 schrieb „if you know Bourke you know Australia“. Aber ganz so ist es dann zum Glück doch nicht und wir „erfahren“ dieses Land weiter.

Auf Reisen gewinnt man Orte lieb, die man vorher oft gar nicht auf dem Radar hatte; genauso geschehen eben mit Bourke. Wir haben uns hier „sau-wohl“ gefühlt, tolle Menschen getroffen, viel gelernt über das Leben im harschen Outback und die einzigartige Landschaft am Ufer des Darling Rivers genossen. Fast schon ein bisschen wehmütig passieren wir die Stadtgrenze und ein Schild mit dem Hinweis „No fuel the next 254 km“ und verschwinden abermals in den Tiefen des so faszinierenden Outbacks.

Australien ist reich an kuriosen Orten. Einer der abgefahrendsten ist sicherlich das winzige Örtchen Lightning Ridge, Stadt der Glücksritter, Verlierer, Künstler und Freaks. Zu Tausenden kamen und kommen Menschen hierher auf der Suche nach Opalen, unbeschreiblichem Reichtum und Glück. Finden tun die Wenigsten etwas. Außer Enttäuschung, Frust und manchmal den Tod. Oder aber sie verschwinden einfach von der Bildfläche: 3.000 Menschen sind dort amtlich gemeldet, 7.000 Postfächer gibt es, bezahlt wird alles in cash, gelebt wird im Busch – die Australier nennen das „living of the grid“. Die „offiziellen“ Freaks bauen dann Wohnhäuser aus leeren Bierflaschen oder entdecken statt Opalen ihre „künstlerische Ader“ und verwandeln eine aufgelassene Mine in ein Museum, in dem sie Mickey Mouse, Michelangelos David oder eine ganze ägyptische Grabkammer in die Wände der Minentunnel ritzen.

Die Ostküste mit verführerischen Stränden, viel Grün und prall gefüllten Supermärkten liegt quasi nebenan. Doch die lassen wir erst einmal liegen, biegen stattdessen rechts ab und folgen auf staubigen Pisten dem Verlauf des Kidman Way. Wir durchfahren kleinere und größere Siedlungen mit lustigen Namen wie „Coleambally“ oder „Jerilderie“, schlendern durch geschichtsträchtige Orte wie das Eisenerzstädtchen Cobar und wandern im wunderschönen Nationalpark „Gundabooke“ zu uralten Aborigini-Felszeichnungen.

Auch die Tierwelt meint es gut mit uns: wie sehen eine beeindruckend lange Echse und eine furchterregend große, schwarze Schlange. Außerdem Heerscharen von Känguruhs und Emus, so das wir mit Zählen kaum hinterherkommen. Tiere zählen – übrigens eine gute Beschäftigung auf langen Outbackfahrten.

Und irgendwann, fast schlagartig ändert sich das Landschaftsbild. Die staubige, rauhe und unwirtliche Landschaft wird grün, die Straßen sind gesäumt von Orangenplantagen, Weinreben und riesigen Getreidefeldern. Wir nähern uns dem Murray River, einem der längsten Flüsse Australiens. Im Gegensatz zum oft trockenen Darling River, dessen ödem Flussbett wir ja viele Kilometer durchs Outback gefolgt sind, führt der Murray River sehr viel Wasser und macht das Land auf einmal fruchtbar und ertragreich.

Im Barmah Nationalpark durchfahren wir den weltweit größten zusammenhängenden Wald von Roten Eukalyptusbäumen, schlafen direkt am sanft dahinfließenden Murray River und lauschen in der Dunkelheit der Nacht der erstaunlich lebhaften und aktiven Tierwelt in und um das Gewässer. So wild und abgeschieden er hier noch vor sich hin fließt, so touristisch „erschlossen“ ist er ein Stückchen weiter an Orten wie Echuca, Swan Hill und Midura: nachgebaute Dampfer und Hütten, viel Rummel  – ein wahrhafter Magnet für Reisebusse.

Das ist uns gerade irgendwie zu viel und wir fahren über die bisher allerübelste Wellblechpiste noch einmal in die Trockenheit, in den Mungo Nationalpark, einem Gebiet neun ehemaliger, inzwischen trocken gefallener Seen, Wiege der australischen, menschlichen Zivilisation und somit UNESCO Weltkulturerbe. An den ehemaligen Ufern der Seen fand man menschliche Gebeine, 41.000 Jahre alt, zeremoniell bestattet. Die Landschaft ist sensationell, flach, rot, trocken und erstaunt mit einer zig-Kilometer-langen Düne am Ufer des Lake Mungo. Unbeschreiblich!

Lange sind wir den beiden Flüssen Darling und Murray River gefolgt und in Wentworth ist es an der Zeit mal wieder „Hello Darling“ zu sagen. Hier fließen die beiden Flüsse zusammen und erschaffen mit den Riverlands eine von Sümpfen, Mangrovenwäldern, Canyons und winzigen Seen durchsetzen Landschaft, die auf diesem trockenen Kontinent so surreal, so unglaublich wirkt.

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  1. Jutta & Michael 3 Jahren ago Reply

    Hallo ihr Weltenbummler, schön eure Geschichten zu lesen, euch auf dem langen Trip zu verfolgen und bei solch schönen Fotos irgendwie auch bei euch zu sein.

    Liebe Grüße aus dem kalten Starnberg

    Jutta und Michael

  2. Karl & Alexa 3 Jahren ago Reply

    Mit diesen Fotos machen wir Hawe Kalender bis mindestens 2066… Wunderbar, aufregend, sehr schön und spannend beschrieben!
    Keep the fire burning!

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