Zurück in Australien

„Dat geht ja mal gaaaar nich!“

20.01. – 10.02.2016

Perth erwartet uns mit überraschend kühlem, windigen Wetter, dabei hatten wir uns doch so sehr auf sommerliche Temperaturen gefreut. Egal, wir sind erst einmal überglücklich, wieder in Down Under zu sein. Das mit dem nicht ganz so warmen Wetter sollte sich bald gewaltig ändern! Die nächsten zwei Wochen wird Perth von einer schier unglaublichen Hitzewelle überrollt mit Temperaturen um die 45°C – nachmittags um 17 Uhr! So schwitzen wir uns durch die Stadt.

Zehn Tage nach unserer Ankunft in Perth kommt auch Aloisius pünktlich im Hafen von Perth, in der netten Hippikommune Fremantle an. Wir freuen uns riesig und sehen uns schon bald wieder „on the road“ auf den Straßen Australiens. Einen Tag später macht dann ein weiteres RoRo-Schiff Zwischenstopp in Fremantle und „entlässt“ zufälligerweise ein weiteres Action Mobil an Land. Es ist jenes von Norbert und Rita (www.birdfarm.de), mit denen wir die letzten Tage schon viel Spaß zusammen in und um Perth hatten. Da „geteiltes Leid, ja halbes Leid“ ist, gehen wir die anstehenden bürokratischen Hürden, um die Laster aus dem Hafen und auf die Strasse zu bekommen, gemeinsam an. Es sollte ein langer Weg werden.

Tony, unser Broker für die typischen „Hafenformalitäten“, den wir ein paar Tage vorher kontaktiert hatten, kümmert sich um Zoll und Quarantäne und schon nach ein paar Tagen haben unsere beiden Laster samt fast allen Inhalten diese erste, kleine Hürde erfolgreich genommen und sind eigentlich „frei“.

Eigentlich. Schweren Herzens müssen wir uns von einer mitverschifften Packung mikrowellentauglichen Popcorns trennen – die Gefahr für das Wohl der australischen Flora und Faune steht auf dem Spiel. Sagt man uns. Glauben wir es einfach mal. Bisschen mehr Mühsal sollte uns ein kleiner Brocken Erden im Radlauf unseres Rollers kosten. Fremde Erde nach Australien, ein Ding der Unmöglichkeit! Und so muss unser kleiner blauer Roller von offizieller Stelle nachgereinigt werden und zu guter Letzt noch einmal durch die Quarantäne. Das Prozedere ist sowohl kosten- als auch zeitintensiv. Ganz zu schweigen vom Nervfaktor. Und vollkommen irrsinig. Denn: das bisschen Erde im Radkasten erfordert ein Nachputzen. Man darf ja keinerlei Erde, Samen oder ähnliches ins Land bringen. Leuchtet ja noch ein. Aber die während der Verschiffung aus dem Radkasten gebröselte Erde, die in unserem Stauraum am Boden liegt, stellt kein (!) Problem für die Dame der Quarantäne dar. Folglich ist auch hier kein Nachreinigen erforderlich. Warum ist und bleibt uns ein Rätsel.

Jetzt dürfen und müssen wir zwar die Laster (und den Roller) aus dem Hafengelände fahren, aber keinen Meter weiter. Uns fehlt die in Western Australia vorgeschriebene offizielle Fahrerlaubnis, die man erst bekommt, wenn man die sogenannte „Vehicle examination“ (das ist in etwa so wie eine deutsche TÜV-Prüfung) erfolgreich hinter sich hat. Und so rennen wir von Pontius zu Pilatus und zurück und weiter bis wir endlich anfangen, das System zu verstehen. Für den Weg zur „Vehicle examination“ bekommt man eine, nennen wir es Sondererlaubnis. Mit dieser darf man dann auf dem kürzesten Weg zur vereinbarten „Vehicle examination“ bewegen. Aber eben nur zu vereinbarten „Vehicle examination“. Da wir dies bis dato nicht wissen, klappern wir unendlich viele offizielle Stellen ab, bis es uns endlich gelingt die für uns zuständigen Niederlassung zu finden. Und wir bekommen sogar einen Termin. In zehn Tagen! Uff. Dumm. Endlich wieder on the road schaut anders aus! Immerhin dürfen wir mit einer temporären Sonderfahrerlaubnis die Laster aus dem Hafen auf einen nahegelegenen Campingplatz stellen. So nutzen wir die Zeit, alles einzurichten und starklar zu bekommen. 10 Tage später, mit einer weiteren temporären Sonderfahrerlaubnis in der Tasche, fahren wir schließlich zur heiß ersehnten „Vehicle examination“. Bei lauen 46°C im Schatten.

Der Prüfer ist nett und guter Dinge, also sind wir es auch. Zu unserer Überraschung ist die Prüfung der beiden Fahrzeuge äußerst gründlich und penibel und es wird wirklich alles kontrolliert. Außer dass unsere Scheinwerfer auf dem Fahrerhaus nicht erlaubt sind. Die Gefahr einer möglichen Blendung des Gegenverkehrs durch reflektierende Sonnenstrahlen stelle eine extreme Gefahr für Leib und Leben anderer Verkehrsteilnehmer dar. Bitte was? Hier hat ja nicht mal der deutsche TÜV etwas zum Aussetzen gehabt. Flink deklarieren wir die Scheinwerfer als reines Arbeitslicht und müssen versprechen, sie nach dem Termin sofort nach hinten zu drehen. Hmh, naja, die lassen sich ja gar nicht drehen…

Um den hiesigen Auflagen einer sicheren Teilnahme am Straßenverkehr vollends gerecht zu werden, werden wir noch dazu verdonnert, am Heck des Lasters drei grell-gelbe Warnhinweise aufzukleben:  „left hand drive“, „do not overtake a turning vehicle“ und zwei Warnstreifen. Ein optischer Gewinn ist es nicht, aber wir fühlen uns jetzt seeehr sicher….

Ach ja, und wäre da nicht einmal mehr der kleine blaue Roller. Sein Bremslicht funktioniert nicht. Hat ein Roller von 1973 überhaupt ein Bremslicht? Nein, aber er braucht jetzt und hier eines. Wir finden über ein paar Umwege eine von Italienern geführte urige Rollerwekstatt, wo man mit einer windigen Konstruktion aus dünnem Draht das Bremslicht – kurzzeitig! – zum Leuchten bringt. Man empfiehlt uns dringend, die Bremse bis zum TÜV-Termin nicht zu betätigen, man wisse nicht, wie lange diese Konstruktion halte. Wir halten uns daran und haben Glück: das Bremslicht leuchtet und der Prüfer ist zufrieden.

Und wir erst. So stossen wir am Abend des 9. Februars darauf an, dass es nun endlich losgehen kann. 12 Tage nach Ankunft von Aloisius im Hafen. Rückblickend eigentlich gar nicht so schlimm. Währenddessen dachten wir nicht immer so. Von unseren Freunden Norbert und Rita aus dem Münsterland haben wir nicht nur einmal folgenden Satz gehört: „Dat geht ja mal gaar nich!“. Irgendwie wohl schon….

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  1. Richard Abele 3 Jahren ago Reply

    Hallo,
    Verfolgen Eure sehr schöne Reisebeschreibung.
    Wollen im Januar 2017 verschiffen. Dürfen wir
    fragen, mit welcher Reederei Ihr verschifft habt?
    Vielen Dank im voraus und noch viel Spaß
    wünschen
    Gabriele und Richard

    • thehaeusgens 3 Jahren ago Reply

      Hallo ihr 2,

      erst einmal Danke für das Lob ob der Reisebeschreibung. Wir haben mit Wallenius Wilhelmsen verschifft; haben das aber auch recht detailliert unter dem Button „Info“ beschrieben. Da solltet ihr alle Infos finden – falls nicht, einfach noch einmal melden. Euch dann mal viel Spaß 2017 – ist ein tolles Land und macht viel Spaß zum Erkunden.

  2. Schoch Rene 3 Jahren ago Reply

    Hallo zusammen
    Darf ich nach der Adresse fragen wo Ihr euren MAN zum australischen TÜV gebracht habt. Wenn das 10 Tage dauern soll könnte ich unseren MAN bereit früher anmelden.
    Wir kommen Anfang April nach Fremantle, unser Fahrzeug ist bereits auf hoher See.
    Grüsse aus der Schweiz René

    • thehaeusgens 3 Jahren ago Reply

      Servus Rene,

      wegen dem „TÜV“: das ist hier in Western Australia (WA) die sog. „Vehicle Examination“, da muss jedes Auto in WA durch, welches unter einem Carnet des Passages nach Australien gebracht wird. In der Region Perth gibt es für im Ausland registrierte Fahrzeuge NUR EINE EINZIGE Stelle, die das macht. Department of Transport, Vehicle Examination Centre, Welshpool, 21 Murray Road South. Der Termin MUSS vorher telefonisch unter 1300782713 vereinbart und bezahlt werden. ACHTUNG: Schon für die Fahrt vom Hafen zu der Prüfstelle benötigt ihr ein sog. temporary permit, gültig für 48 Stunden. Mit dieser permit dürft ihr aber NUR vom Hafen zu der Prüfstelle fahren. Solltet ihr, um z.B. die Wartezeit auf einen Camping verbringen zu wollen, erst dorthin fahren, benötigt ihr zwei solcher temporary permits (jede kostet jeweils AUD 23,-), die vehicle examination kostet AUD 147,-.
      Für die vehicle examination muss wirklich alles am Auto funktionieren, die prüfen das recht genau, lassen z.b. aus beiden Druckluftbehältern die Luft raus und prüfen, dass der Bremskreislauf dann auch einen Fehler anzeigt….
      Nach dem Bestehen der Prüfung wird noch einmal eine Gebühr fällig, die dann aber auch die Third Party Injury Insurance (Personenhaftpflicht) für ganz Australien abdeckt.
      Vergesst auf keinen Fall die Scheinwerfer gemäß Gebrauchsanweisung auf Linksverkehr abzukleben. Ein „Left-Hand-Drive“-Aufkleber braucht ihr auch. Und dann noch die bunten Warnaufkleber (siehe Bild im Beitrag): die bekommt ihr bei entsprechenden Fachgeschäften (z.B. Independent Parts, 8 Dowd Street, Kewdale, http://www.independantparts.co.au, Tel: 08/93532590).
      Zoll und Quarantäne haben wir über einen Broker abwickeln lassen (einfacher und schneller, ca. 2 Tage): Fa. Seaway, Ansprechpartner Tony Tai, Tel: 0437/ 320 068, Level 1, Suite 1, 22 Queen Street, Fremantle.
      Viel Glück dabei. Wird schon klappen!

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