Broome – Darwin

Natur pur!

09.06.2011

VON BROOME NACH DARWIN

Was haben wir zu Beginn der Reise über das schlechte Wetter gejammert; dauernd hat es geregnet oder es war eisig kalt oder windig und oft auch einfach alles zusammen. Und doch liegen all diese Erinnerung inzwischen ganz weit zurück; hier in Broome, das fast punktgenau auf dem gleichen Breitegrad wie das exotisch-tropische Mauritius oder gar die von Südsee-Charakter geprägten Fiji-Inseln liegt, erleben wir es: das tropische, heiße, exotische und Dank hoher Luftfeuchtigkeit schweißtreibende Australien. Es existiert also doch, dieses Australien und ist keine Erfindung einer konspirativen, australischen und in dunklen, geheimen Büros arbeitenden Marketingmaschinerie.

Der Plan war, in Broome ein oder zwei Tage zu verbringen, um dann von dort aus die legendäre, ehemals nur für Vieh transportierende Road Trains ins australische Nichts geschlagene Gibb-River-Road zu bewältigen. Soweit der Plan. Die Realität war dann eine andere. Die „Gibb“, wie sie einfach genannt wird, war noch geschlossen. All der Regen, der uns die ersten Monate treu begleitet und fest im Griff hatte, muss ja auch von irgendwo gekommen sein. Und er kam eben aus dem Norden dieses riesigen Kontinents. Die letzte Regenzeit (oder „the wet“, wie der Aussie sagt) muss wohl alles bis dato Erlebte in den Schatten gestellt haben. Manche Straßen standen – und stehen teilweise noch – bis zu für uns Europäer unglaubliche 10 Meter unter Wasser. Ganze Landstriche, Gebiete so groß wie England, waren überflutet, alles ein riesiger See.

Mitte Mai ist der Norden Australiens bereits schon ein gutes Stückchen in der Trockenzeit; es fällt kein Regen mehr, es ist warm, aber nicht siedend heiß und die überfluteten Gebiete „gewinnen wieder Land“. Nach den Informationen der lokalen Behörden bestehe eine vage Chance, dass die „Gibb“ in ein paar Tagen wieder für den Verkehr frei gegeben werde. Und so beschließen wir zu warten und uns ein paar schöne, erholsame Tage in Broome zu machen. Und Broome hat mehr zu bieten als es anfangs scheint: wir erkunden Chinatown (ohne Chinesen), besuchen eine Perlenfarm und lernen dabei, mit welcher Genauigkeit einer Auster in den Schniedelwutz geschnitten werden muss (auuuaaah!), um das arme Ding mit einer (im Verhältnis Medizinball großen) Perlmutkugel künstlich zu befruchten (wirklich sehr auuuaaah!), reiten mit kreischenden Koreanerinnen zusammen auf Kamelen am legendären , 25 km langen Cable Beach in den Sonnenuntergang (war wirklich schön! – der Sonnenuntergang, nicht das Gekreische der Koreanerinnen), sausen auf einem gemieteten Roller unter Palmen und Banyan-Bäumen hindurch zum Milchkaffeetrinken und machen stundenlange, endlose Spaziergänge am Strand entlang. Und wir lernen das für kurze Zeit weltberühmte Krokodil Fatso kennen: am 13. Juli 2010 wurde ein sternhagelbesoffener Australier aus der Kneipe geschmissen. Um seine verletzte männliche Ehre wieder herzustellen, stieg er über den Zaun des benachbarten Krokodilparks, um auf einem Krokodil zu reiten (muss das ein Idiot sein!) und landete just – welch Pech – im Gehege des größten dort lebenden Salzwasserkrokodils. Bei Fatso. Fatso schnappte zu und ab war das Bein. Mit nur noch einem übrig gelang es dem Hobby-Dompteur, sich über den Zaun wieder in die Bar zu retten; dort gab es statt Bier (hätte er sich allerdings wahrlich verdient), einen direkten Transport ins Krankenhaus und die wohl lebenslange Brandmarkung als der dümmster Trottel Broomes.

Ganze fünf Mal im Jahr kann man in Broome das seltene Lichtspiel der so genannten „Staircase to the moon“ beobachten. An jenen fünf Tagen geht der Mond über dem Meer bei Ebbe auf. Durch die Reflektionen des Lichtes erscheint es für ein paar Minuten, als ob eine Leiter von der Erde aus zum Mond führe – ein wirklich spektakulärer Anblick.

Wir nutzen die Tage und planen die nächsten Routenabschnitte: wie, wann, wo und auf welcher Strecke…..So vergeht die Zeit wie im Flug und kaum haben wir uns versehen, sind ganz 11 Tage vergangen. Es war herrlich, erholsam und abwechslungsreich, auf einen Nenner gebracht: es war die bisher fast beste Zeit in Australien.

Nur die Gibb ist immer noch zu. Nichts scheint zu gehen. Es ist wie verhext, entweder das Land trocknet aus und brennt oder es steht unter Wasser. Auch wenn es heißt, die Gibb würde in ein paar Tagen wirklich aufmachen, so sind doch alle Seitenstraßen in die angeblich wunderbaren und absolut sehenswerten Nationalparks wohl erst im August wieder offen und befahrbar. Wir beschließen nun, das Warten zu lassen und (leider!) auf dem unsagbar langweiligen Highway um die Kimberleys herum zu fahren und nicht auf der Gibb mitten durch.

Um nun wenigstens doch einen kleinen Teil der angeblich so sagenhaften Kimberleys zu sehen, fassen wir unseren ganzen Mut zusammen und klettern in eines von diesen kleinen Flugzeugen, die man eigentlich sonst immer nur in den Nachrichten sieht und dann auch nur noch die zerfetzten Reste davon, eine Cessna. Einmotorig, klapprig. Der junge, braun gebrannte Pilot tut ein Übriges, unser mulmiges Gefühl zu bestärken. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass der Pilot von so kleinem Wuchs ist, dass er ein extra Sitzkisschen benötigt, um überhaupt vorne raus schauen zu können. Vielleicht hätten wir es bei einem Bildband belassen sollen… Fünf lange Stunden und 45 Minuten fliegen wir von Luftloch zu Luftloch, landen dreimal, davon zweimal auf schon lange nicht mehr gemähten Graspisten und nach unserer Rückkehr fühlen wir uns wie zwei Hüpfbälle nach ihren nicht bestanden Test des TÜVs – schlicht grausam und schlecht. Das waren also die Kimberleys für uns.

Nun ist es aber an der Zeit, Broome zu verlassen und uns knapp 1.000 km lang auf den Weg um die Kimbeleys herumrum Richtung Kununurra zu begeben. Keine 20 km außerhalb von Broome sind wir wieder mitten drin in der unsagbaren Monotonie der sich scheinbar nie ändernden Landschaft. Die einzigen wirklichen Abwechslungen sind trostlose Roadhouses und das mit einem Laster nicht ganz einfache Ausweichen um tote Kängurus herum. Die Blutspritzer würden sich sicherlich optisch nicht gut machen auf dem dezenten Diplomatenweiß unseres „Dicken“. Der einzige wirkliche Vorteil dieser Strecke ist, dass der Purnululu Nationalpark auf dem Weg liegt. Besser bekannt dürfte der Park unter seinem englischen Namen Bungle Bungles sein. Bei Halls Creek, einem Kaff mit dem Charme einer Warze am großen Zeh, biegt ein Weglein rechts ins Nichts ab. Die ersten Meter dieser Piste sind noch gut und verdienen keine Erwähnung. Doch nach den ersten paar Kurven ändert sich das Bild schlagartig: eine Wellblechpiste mit Schluchten gleichen Vertiefungen schüttelt uns derart durch, dass wir nur noch in abgehackten Sätzen sprechen können. Manchmal sorgt eine quer verlaufende Auswaschung (natürlich immer hinter einer Kurve und mit vollem Schwung) für Abwechslung und nach dem heftigen Stoß sind wir erst einmal damit beschäftigt, die umgeflogenen Gegenstände wie Wasserflaschen, Navigationsgeräte, Reiseführer und uns selbst wieder an die dafür vorgesehen Orte zurück zu räumen.

Und dann stehen auch noch einige Flussdurchfahrten an. Gleich die Erste stellt sich dann auch noch als die Schwierigste heraus: das Wasser ist so an die 50 cm tief, der Fluss ca. 120 Meter breit. Die sanft abfallende Einfahrt ist einfach, das Finden der Idealroute im Wasser auch leichter als gedacht, doch die Ausfahrt auf der anderen Seite ist meterdicker Schlamm. Weich, batzig, schmierig. Oberhalb der Ausfahrt steht schon einer dieser allwissenden und dieses Wissen auch immer gerne und besonders gerne ungefragt weitergebenden australischen Hobby-Rallyefahrer. In seinem klimatisierten Land Cruiser hat er diese Passage scheinbar gemeistert und nun schaut er mal, wie es denn die „Old europeans“ mit ihrem Laster machen. Aber: dreht der Land Cruiser noch durch und der Schlamm fliegt gefühlt bis nach Dingolfing, so stampfen wir mit unserem Laster einfach durch. Langsam, ruhig, kein Durchdrehen, kein Schlammschleudern – einfach souverän. Erstaunt und ein klein wenig neidisch ob der Geländegängigkeit dieses „Milchlasters“ stampft der gute Mann zu seinem mit Antennen bestückten Land Cruiser zurück und verschwindet in einer roten Staubwolke. Wir steigen aus und betrachten unser Werk. Die Spurrinne durch den Schlamm ist jetzt so richtig tief – 9 Tonnen sei Dank – und es wirkt, als sei ein Panzer durchgefahren. Stolz erfüllt klettern wir wieder in unseren Laster und folgen der roten Staubwolke knapp 60 km weiter über eine Piste, die eher die Bezeichnung Panzerübungsplatz verdient. Egal, es macht Spaß und wir genießen jeder Meter.


An der Ranger Station ist Mittagspause und so geht es direkt zum UNESCO Weltnaturerbe, den Bungle Bungles. Diese Felsformationen schauen aus wie riesige, sehr riesige versteinerte Wespennester und ragen Zinnen gleich ebenso unerwartet wie spektakulär aus der Ebene in den stahlblauen Himmel. Der Anblick ist majestätisch. Ob dieser imposanten Kulisse beschließen wir kurzer Hand, zur Gras bewachsenen Landebahn samt Flughafen (ein alter Überseecontainer) zu fahren und einen Rundflug über dieses Spektakel der Natur zu machen. Aus einem winzigen Hubschrauber OHNE Türen heraus haben wir einen sensationellen Blick über dieses Wunder der Natur. Nach gefühlten drei Minuten – tatsächlich waren es 48 – torkeln wir, berauscht von dieser einzigartigen Erfahrung, wieder zu Knut, starten den Diesel und fahren weiter in diese urzeitlich wirkende Landschaft. Wir durchwandern an diesem Tage noch kleine Teile des Parks, wobei uns besonders die Wanderung durch ein trockenes Flussbett fesselt. Dieses besteht nicht aus losem Gestein, sondern massivem Fels, der von mitgeführten Steinen und Sedimenten derart ausgeschabt wurde, dass sich kleine Furchen gebildet haben. Die gesamte Formation wirkt mehr wie ein versteinerter Fluss denn ein Flussbett. Es ist sagenhaft.

Am Abend zeigt sich einmal mehr das Bedürfnis der Australier, auch an den entlegensten Orten dicht an dicht zu campen. Man muss sich das so vorstellen: in einem Radius von ca. 100 km um den Campground herum gibt es keinerlei Ansiedlung, militärisches Testgelände oder gar irgendetwas. Nur weites, unendliches Nichts. Doch alle Besucher des Parks drängeln sich auf einer Fläche von zwei Fußballfeldern (es gibt keine andere Übernachtungsmöglichkeit). Was für ein Gefühl, inmitten dieser Einsamkeit unter einem Sternenhimmel der Superlative dem Schnarchen seines Nachbarn, dem monotonen Gebrumme unzähliger Kühlboxen und dem scheinbar nicht enden wollenden Gezische geöffnet werdender Bierdosen zu lauschen. So haben wir uns Einsamkeit im wilden Outback nicht vorgestellt. Ein Prosit der Gemütlichkeit. Wir verkriechen uns ins Innere unseres Lasters, ziehen die „Vorhänge“ zu und lassen bei einem Gläschen Wein die Erlebnisse des Tages Revue passieren.

Am nächsten Morgen holpern wir über die raue Piste und durch die Flüsse wieder zurück zur Hauptstrasse und wir folgen dem Highway durch mal wieder nicht enden wollende Monotonie: manchmal erscheint es uns wie eine Karussellfahrt durch einen grauen, emotionslosen und luftleeren Raum. Wir bemerken kaum den Grenzübertritt ins Northern Territory. Ein kleines Stückchen, also 470 km, hinter der Grenze liegt das nächste Etappenziel Katherine. An diesem Ort trennen sich viele Wege und die Stadt hat auch wirklich den Charme einer Kreuzungsstadt: nach Süden geht es nach Alice Springs (ca. 1.150 km), nach Osten nach Broome (ca. 1.560 km), nach Norden nach Darwin (gute 300 km) und nach Osten Richtung Queensland. Wir beschließen den Charme der Stadt aufs Vollste auszuschöpfen und bleiben drei Tage. Wir unternehmen eine Bootstour durch die Katherine Gorge und steigen in die nahe gelegene Cutta Cutta Caves hinab. Cutta bedeutet in der Sprache der hiesigen Aborigines „Sterne“ und die Doppelung bedeutet logischerweise „viele Sterne“; im Glauben der hiesigen Aborigines legen sich die Sterne des nächtlichen Firmamentes tagsüber in diese Höhle zum Schlafen. Und es macht wirklich den Eindruck, als ob die Sterne dort tagsüber schliefen. Durch einen komplizierten Vorgang lagern sich welche Kristalle auch immer an den Wänden ab und wenn man den Kegel der Taschenlampe darüber schweifen lässt, blinkt und blitzt es unheimlich schön. Wie die Sterne des Nachthimmels…

Und wir besuchen das größte Klassenzimmer der Welt mit immerhin 800.000 km2 – die Katherine School of the Air. Hier werden die Kinder im Outback, auf entlegenen Farmen, in weit entfernten Dörfern und sogar in London über Funk- und Satellitenkommunikation unterrichtet. Es ist spannend, das Tun der Lehrerin durch eine Glasscheibe zu beobachten und zu lauschen und unglaublich, wie sich die Aussies mit den Distanzen und daraus resultierenden Problemen zu helfen wissen. Jeder Besucher erhält die Möglichkeit, am Ende der einstündigen Tour für $10 ein Buch seiner Wahl (aus dem vorgegeben Sortiment) zu spenden. Wir spenden ein Bilderbuch über die Geschichte einer Freundschaft zwischen einem kleinen Mädchen und einer Meerkatze….und um den Kindern am anderen Ende die Bedeutung und das Interesse der Menschen an dieser Schule zu zeigen, wird in jedes Buch ein Aufkleber gepappt, auf dem steht, wer das Buch gespendet hat und aus welchem Land derjenige kommt. Geographie leicht gemacht.

Und weil es mal wieder an der Zeit ist, beschließen, uns mal wieder unter Tage zu begeben, will heißen: wir kriechen unter unserem Laster herum, ziehen Schrauben nach und schauen, ob auch noch alles fest sitzt und überhaupt noch da ist. Das letzte Mal war alles noch an dem dafür vorgesehen Platz – diesmal nicht. Beim vorne angebrachten Reserveradhalter haben sich zwei Schrauben gelöst (theoretisch laut Erbauer eigentlich unmöglich), wovon bei einer sogar die Gegenmutter verschwunden ist. Wenn Halter samt Reserverad (ca. 180 kg Stahl und Hartgummi) während der Fahrt runter krachen, hätten wir wohl keinen Unterboden mehr. Nach geschlagenen zwei einhalb Stunden gelingt es uns endlich, die verbleibende Schraube wieder fest zu ziehen (der Zugang ist derart eng, das ist eher etwas für chinesische Kinderfinger denn bayerische Bratzen) und für die andere müssen wir uns auf die Suche nach einer dem metrischen System entsprechenden Mutter machen -und das in einem Land von Inch und Feet. Super! Aber das ist eine lange Geschichte – hier die Kurzfassung: Mutter gefunden und nach noch einmal über drei (!!!) Stunden (wir mussten fast den gesamten Reserveradhalter demontieren) waren Bolzen und Mutter vereint und fest verschraubt.

Von Katherine aus hat man wie gesagt die Möglichkeit, in verschiedene Richtungen aufzubrechen. Wir fahren nach Norden, um zum Kakadu- und Litchfield Nationalpark und nach Darwin zu gelangen. Im Reiseführer heißt es über die beiden Nationalparks in Anlehnung an ein englische Wortspielerei: „Litchfield Do, Kakadon’t“. Kakadu sei überlaufen, zu sehr kommerzialisiert und nicht die Reise wert; Litchfield dagegen sei ein Geheimtipp. Nun gut. Wir wollen trotzdem beide sehen.

Und was ist der Kakadu beeindruckend; zwar nicht alles, aber einiges. Die Fahrt hin zum Zentrum bei dem Tankstellenort Cooinda führt zugegebenermaßen wirklich durch eine an Langeweile nicht zu überbietende Landschaft. Cooinda aber ist der Ausgangsort für die von den selbst erkorenen Individualisten so verpönte Bootstour auf dem Yellow River. Ok, alles aus den Reiseführern spricht eher gegen diese Tour, aber wir sind ja hier, um uns ein eigenes Bild zu machen. Und zu Beginn scheint es, als haben alle Reiseführer Recht. Wir werden zu einem überlustigen Dave in einen auf 13°C gekühlten Bus geladen, müssen den doofen Sprüchen von Dave lauschen und alle Australier grölen auf die obligatorische Kasperlefrage, ob wir denn alle da seien, mit einem herzhaften „Yeeeeeahhhh“. Hmmh. Nach 81,3 Sekunden Busfahrt erreichen wir unser Ziel und laufen auf einem Steg zum Bootsanleger und nun wird klar, was an dieser Tour so einzigartig ist. Der Yellow River ist kein Fluss – vor allem jetzt so kurz nach der Regenzeit noch nicht – nein, er ist eine schiffbare Ader durch eine Sumpflandschaft, die voll von sagenhafter Flora und Fauna ist. Zwei Stunden schippern wir durch diese mystische Landschaft, sehen einige riesige (und Menschen fressende) Salzwasserkrokodile keine 40 cm am Boot vorbeischwimmen und erleben eine Natur, die förmlich mit all dem Wasser in ihrer Erscheinungsform zu explodieren scheint. Jede Pflanze will die andere an Pracht und Schönheit übertrumpfen, Enten aus Papua Neuguinea nisten hier und allerlei Getier, das wir aus unseren Breiten nicht kennen. Nach 90 Minuten geht die Sonne unter und wir werden Zeugen, wie eine unglaubliche Landschaft im Feuer der untergehenden Sonne verschwindet. Von wegen „Kakadon’t“.

Aber Kakadu hat noch mehr zu bieten: uralte Felsmalereien in Nourlangie, eine Uranmine (kein Scherz, das weltgrößte Vorkommen schlummert hier im Nationalpark – nicht ganz einfach für alle Beteiligten) und das für Aborigines sehr bedeutende Ubirr. Ubirr ist eine Kultstätte inmitten einer Felslandschaft, die wie eine antike Stadt wirkt. Wände sind mit Felsmalereien über und über bemalt und von einem die ewigen Weiten überblickenden Aussichtspunkt eröffnet sich uns ein Blick über die Sumpflandschaften im satten Grün, am Horizont brennt es und zwischen den Felsen verstecken sich Echsen. Wir verstehen die Erhabenheit und spirituelle Besonderheit dieses Ortes.

Nach all dieser wunderbaren Natur und den so einzigartigen Eindrücken sind wir gespannt auf den Litchfield Nationalpark. Wenn dieser wirklich noch toller ist, dann muss das wahrlich das Paradies auf Erden sein. Voller Tatendrang machen wir uns durch eine wenig viel versprechende Landschaft auf den Weg und wäre kein Hinweisschild am Wegesrand gestanden, uns wäre der Unterschied zwischen nicht „nationalparkischer“ Ödnis und Nationalpark gar nicht aufgefallen. Der erste viel gerühmte Stopp ist bei Termitenhügeln. Aha, Termitenhügel. Nun ist es nicht so, als ob es nur diese Termitenhügel in Australien gäbe, nein – an mindestens Millionen sind wir schon vorbei gefahren. In diesen hier wohnen zwar andere, irgendwelche spezielle Termiten. Irgendwie ist das ungefähr so, wie wenn man einen niedersächsischen von einem oberbayerischen Maulwurfhügel unterscheiden müsste. Wir machen ein Foto – Klick – und sind weiter. Und nun kommt, was alle an diesem Park so lieben: ein felseingefasster Naturpool. Ja, der Wahnsinn. Hier pilgern die Menschen her, um Wasser in einem Felsloch zu sehen und vielleicht auch reinzuhüpfen. Für uns ist diese Begeisterung – ja wir wissen, dass dies ein furchtbar trockenes Land ist – einfach nicht nachzuvollziehen. Im Stillen denken wir uns, dass einem jeden Australier im Angesicht des Chiemsees der Schlag treffen müsste. Kein Klick und weiter geht’s. Ein paar Wasserfälle und nicht einmal 3 Stunden später haben wir den Litchfield gesehen, sind enttäuscht davon, drücken das Gaspedal runter und steuern Darwin an. Aber nicht ohne vorher noch einen monströs großen Hamburger im legendären Humpty-Doo-Roadhouse verschlungen zu haben.

Darwin ist seit Perth die erste „Großstadt“ und wir freuen uns auf ein bisschen Stadtluft. So dachten wir. Nach dem verheerenden Zyklon von 1974 war die Stadt fast zur Gänze zerstört und die heutige Architektur wirkt, als sei sie gebaut, um einen Angriff jeglicher Art zu überstehen. Das Zentrum wird von einem Shoppingkomplex dominiert und in der Mitchell Street reiht sich ein Pub ans andere, in denen schon am Vormittag Bier in derartigen Massen fließt, dass es beängstigend ist. 240 Liter Bier trinkt jeder Einwohner Darwins im Jahr – das ist Weltrekord. Wir bleiben eine Nacht, schauen die wenigen und nicht mal spektakulären Sehenswürdigkeiten an und lassen Darwin hinter uns.

An einem unscheinbaren Kreisverkehr auf den Koordinaten -12° 27′ 34.71″, +130° 50′ 3.34″, an der Ecke Esplanade/Daly Street ist der nördliche Beginn (oder das Ende, je nachdem, von wo man kommt) des legendären Stuart Highways, der Australien einem chirurgischen Schnitt gleich in zwei Teile trennt und von Darwin nach Adelaide mitten durchs rote Zentrum führt. Dieser Straße werden wir nun erst einmal folgen. Wer weiß wie lange … bis Alice Springs, bis Port Augusta, bis Adelaide? Wir lassen uns überraschen und sind gespannt, was wir links und rechts und auch auf dieser „Lebensader“ durch das Zentrum erleben werden.

 

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