Bali

Die Insel der Tempel!

14.02.2009 – 27.02.2009

INDONESIEN: BALI

Frappierender könnte der Unterschied kaum sein. Sydney ist auf die eine oder andere Art sicher eine europäische Großstadt und auf der anderen Seite nun Bali. Bali in Indonesien. In der Mitte Asiens. Die Insel der Götter und der unzähligen Tempel. Und gewöhnungsbedürftiger Nahrungsmittel: Hunde (bevorzugt überfahrene, da stelle keiner Fragen, sagt man uns), Hühnerfüße, Reisfeld-Aale und all jenes, gegen das bei uns daheim der Kammerjäger anrückt, seine Chemiekeule schwingt und tötet.

Mit der schon recht exotisch klingenden Airline Garuda Indonesia geht es auf die Reise. Der Garuda ist in der indischen Mythologie ein Schlangen tötendes, halb mensch-, halb adlergestaltiges Reittier (mit Flügeln) des Vishnu, sozusagen der Oberhirte der Hinduisten. Diese wunderbar klingende Airline ist jedoch in der EU auf der so genannten „Black List“, das heißt, dass sie aus sicherheitsrelevanten Gründen nicht in der EU landen darf. Auf dem britischen Ableger der Garuda Homepage heißt es dazu: „Inclusion on this list is due to a lack of safety standards that have been found with regard to the operation of aircraft and the incapacity of the authority in charge to control the minimum level of safety standards within its jurisdiction.“ Das will uns sagen, dass es eine jener Airlines ist, bei denen sich dann endlich niemand mehr wundert, wenn der Adler Vishnus flügellahm zu Boden stürzt und in einem lodernden Flammeninferno ausbrennt.

Mister „Avis“ und verloren im wilden Gewirr Denpasars

Wir haben auf der Reise bisher so manche Klimazonen und Wetterkapriolen durchschritten bzw. durchlebt. Eisige Kälte in Alaska, Schneestürme in den kanadischen Rockies, Regenstürme (immer mal wieder) oder backofengleiche Hitze in Florida. Die Luftfeuchtigkeit gepaart mit einer das letzte bisschen Kraft zehrenden Hitze von guten 35°C ist dann doch die Krönung. Raus aus dem Terminal und hinein in die Welt des hemmungslosen Schwitzens, Dampfens und Wassertrinkens im Stile ausgedörrter Dromedare. Dampfmaschinen gleich machen wir uns auf den Weg. Zu dem international renommierten Autovermieter AVIS. Der Weg, oder besser gesagt die Suche verläuft ergebnislos. Da stehen wir nun, verschwitzt, halb verdampft und ratlos. Nicht einmal das obligatorische Kratzen am Kopf hilft. Wir starten einen erneuten Versuch, das kann ja schließlich nicht sein, haben wir doch eine Bestätigung in Händen und diese sagt klar und unmissverständlich: „Fahrzeugabholung am Flughafen“.

Und dann finden wir AVIS. Avis ist in diesem Fall ein stets lächelnder, des Englischen nicht besonders mächtiger Mann. Mit knallroter Avis-Baseball-Cap. Seit 28 Jahren mache er das. Ah, und warum er sich dann zwischen all den Säulen und Chauffeuren der Hotels so gut verstecke, dass er für Neuankömmlinge eigentlich nicht sichtbar ist? Frage nicht verstanden, gelächelt und „Please, Mister, follow“. Gemacht, getan. Das Auto haben wir letztendlich nicht gemietet („Car not build, this car gooohd but more money“), aber dafür hat uns Mister Avis wenigstens ins Hotel gebracht.

Am nächsten Tag wagen wir uns erneut an das Thema Mietwagen, dieses Mal erfolgreich! Sogleich machen wir uns voller Elan und Tatendrang auf, die Insel zu erkunden. Auf jeden Fall war das die Idee. Ausgestattet mit drei verschiedenen Straßenkarten und dem Wissen, kreuz und quer durch Nordamerika gefunden zu haben, brechen wir auf. Und entdecken völlig neue Aspekte des Kartenlesens. Anstatt zu sagen, dass es in ca. 213 Metern links in die XY-Straße geht, ist es eher so: also gesetzt den Fall, wir sind wirklich (was ich nicht glaube) auf der Jalan Wherethehellarewe, müssten wir die dritte Straße rechts nehmen. Davor müssten links fünf Straßen abgegangen sein. So weit die Theorie. In der Praxis kommen links ca. 17 abgehende Straßen und rechts nichts, bevor rechts überhaupt mal eine Straße abgeht. Auf diese Art schlagen wir uns durch, die Sichtung eines Wegweisers bejubeln wir wie Fußballfans. Nach unzähligen Rechts oder Links haben wir endgültig überhaupt keine Ahnung mehr, wo wir sind. All jenes, was hätte auf dem Weg liegen sollen, lag dort nicht. Nach knappen vier Stunden und der Erkenntnis, dass wir verloren sind, haben wir Glück. Wir treffen auf eine Kreuzung, an welcher wir sicher, ganz sicher schon einmal waren. Und das nicht weit vom Hotel. Fünf Minuten später sind wir völlig genervt wieder im Hotel angekommen und um die Weisheit reicher, dass selber fahren auf dieser Insel ein Ding der Unmöglichkeit ist – gesetzt den Fall, mal will dort ankommen, wo man hin wollte und nicht dort, wohin es einen eben mal so verschlagen hat.

Mit Stolz erfüllter Brust können wir die Vororte und Industriegebiete Denpasars von der To-do-Liste streichen! Gesehen – abgehakt. Und weiter!

Bali – eine hinduistische Oase oder auch Pulau Dewata

92,3% der ca. 3 Millionen Balinesen sind Hinduisten. Auf Bali ist Religion das Leben, und das Leben ist Religion. Der Glaube reicht bis in den letzten Winkel. Tief. Ehrlich und als fester Bestandteil des täglichen Lebens ist es für „ketzerische“ Europäer fast schon eine Reise in eine vergessene, sehr spirituelle Welt.
An allen Ecken und Enden finden sich Tempel in allen Größen, allesamt von farbenfrohen Tüchern, Fahnen, Wimpeln und frischen Opfergaben umrahmt. Den Kreisverkehr bewohnt ein gänzlich anderer Geist (nach einem Unfall selbstverständlich ein böser), als eine Hühnerfarm oder einen Mofareparaturservice. Doch was weiß man schon über diese Geister und Tempel? Die diesbezügliche Literatur über Bali ist schier endlos. Es gibt fast alles, wenn man sich einmal die Zeit nimmt, einen gut sortierten Buchladen zu durchstöbern: balinesisch Kochen, balinesisch Sprechen, sogar ein Buch mit dem Titel „Liebe und Tod auf Bali“ gibt es. Der beliebte und große Internetversand mit dem englischen Namen eines großen Flusses in Südamerika listet 493 Treffer für Bali auf. Bali hat es nicht einfach. Schaut man sich mal ein bisschen im Internet um, ist es erstaunlich, ja gar bemerkenswert, was man alles unter dem Suchbegriff Bali findet: ein Schlafsofa, ein Mofa, einen Sportauspuff, eine Bongo, einen Waschtisch mit Marmorauflage, eine Kommode mit dem sinnigen Namen „Rocking“ zum „Hammerpreis“ von € 304. Auf einem Online-Versteigerungsportal wird sogar ein originaler Buddha aus Bali für € 45 feilgeboten (dass Buddha gar kein Name ist, spielt hierbei keine Rolle; Buddha ist eine Bezeichnung für diejenigen, welche schon vor langer Zeit, so wie der historische Buddha Siddhartha Gautamaaus, aus eigener Kraft und ohne fremde Anleitung die Erleuchtung erlangt haben).

Weshalb es nun die vielen Tempel gibt? Bücher haben wir gewälzt, das sonst allwissende Internet befragt. Sämtliche Reiseführer schildern Bali und seine Balinesen einfach als stark von der Religion geprägt und die vielen bunten Tempelchen seien ja irgendwie auch süß. Fehlt gerade noch, dass diese Götterverehrung als naiv dargestellt wird. Wir finden einfach keine rechte Antwort auf diese Frage. Bis wir Yassa treffen. Yassa ist nach unserer katastrophalen Erfahrung der Selbsterfahrung der Insel Bali unser neuer Freund und Fahrer – samt Auto.

Yassa ist Christ. 2.770.000 Hinduisten und wir setzen ausgerechnet auf einen der wenigen Christen dieser Insel. Nicht, dass wir da religiöse Präferenzen haben, nein gar nicht. Nur wäre es auf einer so tief vom hinduistischen Glauben beeinflussten Insel vielleicht nicht schlecht gewesen, einen Führer mit den hiesigen religiösen Wurzeln zu haben. Viele unserer Fragen kann Yassa somit leider nicht oder nicht ausreichend beantworten. Jedoch, und da schlagen unsere Herzen gleich höher, die eine: Wieso diese vielen Tempel? Jeder Gegenstand habe eine Seele, ganz wie der nicht tote Mensch. Da jeder Gegenstand ja nun eine Seele habe, sei jeder Gegenstand auch „lebendig“; vom Mofa über den Küchentisch bis hin zum Kreisverkehr – eigentlich alles in diesem großen, unendlichen Kosmos. Ein seelenloses Etwas gibt es nicht. Da nun jeder Gegenstand lebt, müssen alle auch mit Essen versehen werden. Daher die vielen Körbchen mit frischem Obst, Reis oder Brot als tägliche Gabe. Man könne sie ja nicht verhungern lassen. So einfach ist das! Und daher auch der balinesische Name „Pulau Dewata“ – die göttliche Insel.

Pura Besakih und die Tücken eines Tempelbesuchs

Pura Besakih ist nicht irgendein Tempel, nein es ist schlicht und ergreifend DER Tempel schlechthin der Insel. Die Mutter alle Tempel. An diesem Ort ist die gesamte göttliche Macht versammelt. Eine Art permanente Hauptversammlung aller Götter, Nebengötter, Untergötter und Heimat unzähliger Hunde. Über einen Kilometer Länge und auf einer geschätzten Breite von ca. 200 Metern breitet sich diese „göttliche Stadt“ aus. Es gibt insgesamt 22 Haupttempel mit schier unzähligen Untertempeln, Nebentempeln und Unternebentempeln. Pura Besakih strahlt diese hohe Religiosität aus, wie man sie in Europa vielleicht gerade noch im Petersdom in Rom oder bei Massengottesdiensten des Papstes findet. Es ist beeindruckend. Jede Ecke, jeder Winkel ist geschmückt, ein Farbenmeer in Mitten all dieser aus grau-schwarzem Lavagestein geschaffenen Statuen, Nischen, Mauern, Versammlungsstätten und engen Gassen.

Die Regeln schreiben es vor: jeder, der einen Tempel betritt, muss einen Sarong tragen. Ist der Touristenansturm nur einmal groß genug, ist er nicht nur spirituell, sondern (und da sind wir uns sicher, auch wenn es keiner zugeben mag) ein nicht enden wollender Quell der Erheiterung. Ein Sarong ist ein dünnes Tuch mit den Maßen einer kleinen Kegelbahn. Irgendwie muss man sich dieses Ungetüm aus Stoff und Farbe nun gekonnt um die Hüfte wickeln. Der Schlitz sollte nach Möglichkeit vorne sein und nicht etwa auf der Seite oder gar hinten. Klingt einfacher, als es in Wirklichkeit ist. Nun wickelt man sich ja fast jeden Morgen ein Handtuch um die Hüften und schlappt aus dem Bad Richtung Kleiderschrank, da kann es ja kein nennenswertes Problem sein, sich dieses Tuch um die Hüften zu wurschteln.

Wir probieren es und scheitern! Wir geben es zu. Das perfekt um die Hüften Wickeln dieses Tuches überfordert uns. Also, wir schaffen es schon, aber es schaut halt eben auch immer komisch aus.
Wie das große bunte Strandtuch, das man sich am Ende des Strandtages um die Hüften wickelt, um nicht blanken Popos elegant aus der nassen Badehose in die trockene Unterhose zu schlüpfen. Elegant schaut das immer aus, wenn man da so wackelig auf einem Bein steht und versucht, im Blindflug unter dem Tuch die klebrige nasse Badehose auszuziehen, und dann ins Trudeln gerät, sich gerade noch fängt, ein Bein aus der Hose und letztendlich dann doch mit seinem käsigen Hinterteil die Strandnachbarn blendet. So ähnlich geht es uns mit dem Sarong. Die Bindung hält nicht so wirklich, wir stolpern über die viel zu langen am Boden streifenden Enden und fliegen fast die Stufen hoch. Einmal und wirklich nur einmal betrachtet Yassa dieses Trauerspiel, und ab dann hilft er uns beim Schnüren des „Hüftbündels“. Danke. Ab diesem Zeitpunkt sind wir etwas stilsicherer in den Tempeln unterwegs.

Reis – die Grundlage allen Lebens auf Bali

Egal, wo auf Bali man unterwegs ist, Reisfelder sind ständige Begleiter. Jede noch so kleine Fläche wird bewirtschaftet. Sogar in den Touristenzentren von Seminyak und Kuta finden sich zwischen all den Cafés, Internetshops und Hotelanlagen Reisfelder. Reis ist allgegenwärtig. Fast jeder Balinese hat sein eigenes Reisfeld und baut dort für den Eigenbedarf an. Ein Hektar Reisfeld ergibt ungefähr, je nach Ernte, an die 15 große Säcke Reis. Und das muss dann für die ganze Familie reichen. Bis zur nächsten Ernte. Reis wird auf Bali viermal im Jahr geerntet. Es gibt Reis zum Frühstück, zum Mittagessen und abends natürlich auch. Reis ist ja schließlich auch gesund und nährreich. Das Reiskorn besteht zu etwa 76 % aus Stärke und zu etwa 8 % aus Eiweiß. Es enthält 1,3 % Fett und 0,6 % Mineralstoffe. Aufgrund seiner Armut an Natrium eignet sich Reis zur Entwässerung des Körpers bei Übergewicht und Bluthochdruck. Dem Natrium sei Dank, dass die Asiaten im Allgemeinen und die Balinesen im Besonderen nicht dick sind und bei Stress nicht rot anlaufen.

Bali und seine Reisfelder sind unzertrennlich. Die Felder sind ein fester Bestandteil eines jeden Besichtigungsprogramms. Überall auf der ganzen Insel finden sich Felder, die schönsten und sicher auch die meist fotografierten liegen jedoch bei dem Örtchen Jatiluwihh. Der Anblick ist schlicht sagenhaft. Die gesamte Hügellandschaft ist terrassiert. So weit das Auge reicht. In sattem Grün stehen die Reispflanzen im Wasser. Auf kleinen Wegchen suchen sich die Bauern ihren Weg zum entsprechenden Feld, an größeren Wegkreuzungen stehen Hütten als Unterschlupf während der täglichen Niederschläge. Und natürlich dürfen die Tempelchen nicht fehlen. Es ist ein Meer aus Grün, durchsetzt mit „göttlichen“ wie weltlichen Farbklecksen.

Wir sind begeistert und können kaum aufhören zu fotografieren. Bei all dieser Schönheit fragen wir uns dann aber doch, wie es für die Einheimischen ist, wenn täglich Busladungen voller Touristen vorfahren und deren Insassen dann Ameisen gleich durch die Landschaft strömen, um „mal echte Eingeborene“ beim Arbeiten zu fotografieren oder zu filmen. Wie es wohl wäre, wenn auf einmal Busladungen indonesischer Touristen auf die Bauernhöfe der Nation rollen würden, um die Bauern beim Melken, Ausmisten, Odeln oder Kreiseln zu fotografieren. Immer unter der Annahme, dass all diese Tätigkeiten in brütender Hitze und erschlagender Luftfeuchtigkeit mit bloßen Händen und nicht im Traktor mit pneumatischen Komfortsitzen verrichtet werden würden. Wir sind uns fast sicher, dass jedem Bauer zwischen Flensburg und Bad Reichenhall der Geduldsfaden reißen würde und er die Gaffer unter wüstem Geschimpfe und Androhung von Gewalt vertreiben würde.

Auch wir machen unsere Fotos und uns aus dem Staub. Das schlechte Gewissen lassen wir dort. Der heiligen Kuh Tourismus muss man auch als Tourist ein Opfer bringen: Gute Dollar gegen gute Bilder; schließlich mussten wir für den Besuch des Ortes und seiner Reisfelder eine kleine Gebühr „zur Erhaltung der Gemeindesubstanz“ entrichten.

Ubud – Künstlerkolonie in den Bergen

Ein Besuch auf Bali ohne einen Besuch in Ubud ist wie Reis ohne Feld oder Brat ohne Kartoffel. Ubud ist ein Muss. Der erste Versuch fällt aus Zeitmangel aus und der zweite regelrecht ins Wasser. Sintflutartige Regenfälle überschwemmen das Städtchen. Aus den Gullys quillt Wasser, die Kinder springen quitschvergnügt durch knietiefe Pfützen, und Hunde saufen sich mal wieder so richtig voll. Es regnet so stark, dass man keine 20 Meter weit sieht. Lebensmüde balinesische Halbstarke brettern mit ihren Honda-Mofas wie von allen guten Geistern verlassen durch die Wasserfluten. Dieses Spektakel kann einem jeden Aquapark in der westlichen Welt sprichwörtlich das Wasser reichen. Wir unternehmen den eigentlich zum Scheitern vorbestimmten Versuch, uns mit einem am Straßenrand für umgerechnet ca. 31 €-Cent gekauften Regenschirm vor den Elementen zu schützen. Gut zu wissen ist hierbei, dass im Hotel die teuren und bereits in der Entwicklung unter Extrembedingungen getesteten Outdoor-Jacken im klimatisierten Kleiderschrank hängen. Aber gut, dass wir sie kreuz und quer durch die Welt fliegen, um sie dann, wenn man sie einmal brauchen könnte, in Sicherheit zu wissen…

Aber wir lassen uns nicht klein kriegen. Unter den argwöhnischen Blicken der Einheimischen und ebenso vieler Touristen schlüpfen wir zusätzlich in einen inzwischen schon öfters benützten durchsichtigen Einmal-Poncho. Mit diesem formschönen „Kondom“ bekleidet und unter unseren Regenschirmen Model „Ubud Deluxe“ stapfen wir durch die Fluten und schauen uns die Tempel an. Das Angenehme daran ist, dass wir den gesamten Tempel für uns alleine haben. Wir genießen die Leere und lauschen, wie der Regen auf den Lotusblütenteich plätschert. Für ein solches Erlebnis, für derartige Ruhe und Einsamkeit, zahlt man auf Bali ansonsten sehr viel und findet sich letztendlich doch auch nur wieder in einem überfüllten Feng-Shui-Kurs oder einem Praxisseminar über die heilsamen Auswirkungen einer Ayurveda-Entschlackungskur.

Nach einer Weile lässt der Regen nach, und so langsam fließt das Wasser ab, die Kinder lassen die Pfützen hinter sich, die Hunde sind getränkt, und das Leben kehrt in einem Wimpernschlag auf die Straße zurück. Hupen krächzen, Souvenirverkäufer schreien „Cheap, Mister“, und das Leben geht wieder seinen ganz normalen Lauf.

Wo auch immer auf der Erde man sich befindet: der alltägliche Wahnsinn findet sich überall. Oder doch eher der wahnsinnige Alltag? Wir hüpfen aus den Einmal-Ponschos und sind wieder mittendrin. Herrlich.

Die große Inselrundfahrt

Wie bereits auf all unseren Ausflügen ist es auch heute wieder so weit. Wir treffen uns mit Yassa und machen uns auf den Weg in das für uns unverständliche und verwirrende Straßengewirr von Bali und seiner quirligen Hauptstadt Denpasar. Mit bewundernswerter Ruhe steuert Yassa seinen auf Hochglanz polierten Toyota-Mini Van durch diese verkehrstechnisch einzigartige Melange aus Straßen, Menschen, Mofas, Hunden, Hühnern, Polizisten, Kindern und allem, was sonst noch so auf den Straßen der Insel Platz findet. Für unsere Nerven ist es Balsam, all dies vom Rücksitz aus zu betrachten. Haben wir doch so die Möglichkeit, die vorbeiziehende herrliche Landschaft in Ruhe zu genießen und nicht in antizipativer Panik, den Blick stur geradeaus gerichtet, allzeit bremsbreit auf der Suche nach dem richtigen Weg.

Es geht von Seminyak aus durch die chaotischen und chronisch überfüllten Vororte von Denpasar, vorbei an unzähligen Mofawerkstätten und mobilen Grillbuden in den Norden der Insel. Durch weite, grüne Ebenen, durch dicht bewaldete Täler und schließlich in die Berge. Am Ende der Straße wartet das wohl beliebteste Postkartenmotiv ganz Balis auf uns: Pura Ulun Danu Bratan. Der Tempel aus dem 17. Jh. steht auf einer kleinen Insel, ganz nahe dem Festland. Aus der Ferne betrachtet, scheint er auf dem Wasser zu schwimmen, ja fast zu schweben. Auf Grund seiner exponierten Lage kann man das Tempelinnere nicht besichtigen. Das wäre aber auch nicht der wahre Touristenmagnet. Nein, es ist die sagenhafte, fast mystische Lage. Im dunklen See, umrahmt von hohen Bergen. Von diesen steigen dichte Nebelschwaden herab, gleiten scheinbar bewegungslos über die spiegelglatte Wasseroberfläche und hüllen letztendlich den Tempel in einen dichten, undurchdringlichen Schleier aus Grau. Und Regen! Ja klar, wie sollte es auch anders sein. Nach knappen drei Stunden Anfahrt haben wir ein paar Minuten den regenlosen und regenfreien Tempel genießen dürfen, bis es losgeht. Einem Dammbruch gleich öffnen sich die Himmelsschleusen, und es schüttet, was das Zeug hält.

Über winzige, kurvige und von den Touristenströmen scheinbar verschonte Straßen geht es vom Lake Bratan zu den beiden kleinen, nur durch eine schmale Landbrücke (Isthmus – mal wieder) getrennten Seen Danau Buyan und Danau Tamblingan. Mal peitscht der Regen vom Himmel, das Wasser zentimeterhoch auf den Straßen, mal reißt die Wolkendecke auf, einzelne Sonnenstrahlen huschen über den Horizont und kreieren ein Licht von unbeschreiblicher Schönheit.

Reisfelder, Regenwald, kleine mit bunten Fahnen geschmückte Dörfer säumen unseren Weg. Ein bisschen ist es wie der Blick in ein Daumenkino. Alles zusammen bildet ein harmonisches und perfektes Bild, doch sollte der Daumen mal stocken, bleibt das Auge auf einem Bild hängen. Ähnlich geht es uns. Manche Momente und Orte sind als einzelnes Bild fest in unseren Gedanken verankert, andere gleiten unscharf vor dem geistigen Auge dahin.

Bali, die Insel der Götter. Was hat diese schöne Insel nicht schon alles über sich ergehen lassen müssen: Kriege, infernalische Zerstörung durch Vulkane, von Hass und Ablehnung angetriebenen Terror, Neckermänner in Scharen, Aussteiger auf der Suche nach Erleuchtung und einem Sinn im Leben. Jährlich besuchen über vier Millionen Menschen diese Insel. Trotz allem oder vielleicht gerade deswegen haben es die Balinesen geschafft, sich mit ihren Traditionen und Bräuchen nicht auf Shows in den Hotelburgen oder gar auf Kultur im Hinterhof reduzieren zu lassen. Nein, im Gegenteil, sie formen und gestalten diese einzigartige Insel mit ihren Bräuchen und Traditionen, blicken aber dennoch wachen Auges in die Zukunft und gestalten diese, anstatt sich selbst verbiegen zu lassen. Über Jahrhunderte haben sich die Balinesen in einem sonst streng islamischen Land ihre Oase bewahren können. Was sind da schon ein paar Touristen – lachhaft.

Bali ist nicht groß, und zwei Wochen sind nicht gerade wenig, aber diesmal fast zu kurz. Es gäbe auf dieser Insel noch unheimlich viel zu entdecken. Wir haben in den letzten zwei Wochen viel gesehen, haben einen neuen Blick auf das eine oder andere gewonnen, haben mit Yassa einen neuen, ja gar unseren ersten Freund auf Bali kennengelernt, haben in eine Kultur voller Einzigartigkeiten und manchmal, da muss man ehrlich sein, Merkwürdigkeiten Einblick erhalten. Man stelle sich nur einmal vor, dass in Bayern (das Gleiche gilt für die Regionen nördlich des Weißwurstäquators ebenso) auf einer Kreuzung ein lebendiger Vogel dem bösen Geist geopfert würde. Und das alles begleitet von einer hunderte Meter langen Prozession von singenden Menschen.

Pulau Dewata – die Insel der Götter oder die göttliche Insel.

 

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